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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-10-01 · 10 (10.1903) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
10 (10.1903)
Date
1903-10-01
Page
Seite 8 (sequence 11)
Language
German
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8 und eine Wahrheit, das gab es nie, sondern stets so viele Rechte und so viele Wahrheiten, als eben nötig sind, um „alles zu vermeiden, was Ombrage erregen könnte". So darf man sich denn auch nicht wundern, wenn der publizistische Wortführer der niedrigsten Strömung in Oesterreich ausgezeichnet wird, wenn in der Person seines Leitartiklers ein Blatt geehrt wird, das täglich die heiligsten staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte unserer Glaubensgenossen mit Füssen treten, unaufhörlich zum Klassen- und Rassenhass hetzen darf und das wahrlich schudlos ist, wenn bei uns noch kein „ Kischenew" entstanden ist. Einmütig hat unsere liberale ..unabhängige" Presse zu diesem jüngsten schmählichen ,.Ombrage" geschwiegen. Dass ihr die plumpe Zusammenkoppelung in der amtlichen Verlautbarung entgangen sei, wird wol niemand vermuten. Wenn sie schwieg, so wusste sie warum; die Freude ob der Auszeichnung eines Concordiagenossen dürfte allein kein genügender Grund gewesen sein, um sie abzuhalten, den Kuhhandel entsprechend zu ■"Brandmarken. Und das ist das Allertraurigste. Findet sich schon die Staatsmoral mit den niedrigsten Prak4iken des Ombrage ab, untergräbt sie selbst das Rechtsbewusstsein immer mehr und mehr, so sollten wenigstens diejenigen, die sich zu Hütern der öffentlichen Interessen, zu Wächtern der Gesittung, zu Kritikern der Unmoral berufen wähnen, ihre Pflicht tun, wie es ja selbst in den schlimmsten Tagen der Bedrückung in Oesterreich der Fall war. Aber sie schweigen, denn auch sie haben sich mit dem „Ombrage" ganz gut abgefunden; dies ist das untrüglichste Zeichen eines geistigen und sittlichen Verfalles. Neue antisemitische Greuel in Russland. Herr v. P 1 e h w e hat sich beeilt, den Beweis zu erbringen, dass er nicht geduldig zuwarten will, bis die russischen Juden unter Beihilfe der St. Petersburger Regierung den grossen Zug nach Ostafrika oder Palästina beginnen können. Sein. Schreiben an Dr. Herzl erhält durch die Exzesse von Hornel im Gouvernement Mohilew, für welche „amtlich" die Juden verantwortlich gemacht werden, eine drastische Beleuchtung. Der St. Petersburger „Regierungsbote" stellt diese Exzesse folgendermassen dar: Im Bazar von Hornel entwickelte sich am 11. d. M. aus einem Streit zwischen einem Bauern und einem jüdischen Händler eine erbitterte Schlägerei

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