Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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lieb und sympathisch machte: der andere politischer Chefredacteur des „Deutschen Volksblatt", eines Organs, zu dessen Charakterisierung man ja nichts weiter zu sagen braucht. In den Zeitungsnotizen, die von den „ausgezeichneten Journalisten" berichteten, war nun seltsamerweise zwar die redactionelle Zugehörigkeit des einen, nicht aber die des anderen erwähnt. Dieser andere wurde dem Publicum nicht als politischer Genius des „Deutschen Volksblatt", nicht als antisemitische Presskoryphäe, sondern recht harmlos als — Obmann-Stellvertreter der deutsch-österreichischen Schriftstellergenossenschaft, getreu der amtlichen Verlautbarung, vorgestellt. Diese harmlose Wiedergabe entspricht, wie man annehmen darf, wohl einem diplomatischen Wunsche der Regierung; offenbar hatte sie das Bedürfnis, einen christlich-socialen Zeitungsschreiber, der ihr schon manche politische Gefälligkeit erwiesen, durch eine Gegengefälligkeit zu belohnen. Der Franz Joseph- Orden oder der Titel eines kaiserlichen Rates ist schliesslich das -Geringste, was man einem dienstfertigen Journalisten bieten kann. Es ist nun einmal schon Brauch, ganz-offiziöse Tugend mit dem Regierungsrat, halb-offiziöse mit dem kaiserlichen Rat zu belohnen. Aber der leitende Staatsmann, der die Tugendpreise in Form von Orden und Titeln vergibt, wollte das unliebsame Aufsehen vermieden wissen, das die Auszeichnung eines Capo der antisemitischen Hetzpresse notwendigerweise erregen müsste. Um alles in der Welt, nur kein Aufsehen! Als der erste Napoleon, im Kampfe mit England begriffen, die Neutralität des damals noch unter englischem Scepter stehenden Kurstaates Hannover nicht länger anerkennen wollte und zur Occupation des Landes schritt, ertheilte die hilflose und geängstigte Landesregierung dem Befehlshaber der hannoverschen Truppen die Weisung, zwar das Nötige vorzukehren, aber — „alles zu vermeiden, was Ombrage erregen könnte." Ein prachtvolles, unsterblich gewordenes Wort! „Ombrage" — das ist Verdacht, Misstrauen, Gerede, Aufsehen. „Ombrage", das ist das Schreckgespenst aller ängstlichen Regierungsweisheit, die nicht gerne in's Licht geht, um nur ja keinen Schatten zu werfen. Oesterreich war seit altersher der klassische Boden der „Ombrage"-Furcht und ist es noch heute. Darum durfte man beileibe aus den Zeitungen nicht erfahren, dass der neueste Ritter des Franz Joseph-Ordens obeister Geheimrat des Herrn Vergani sei. Obmann-Stellvertreter der „deutsch-österreichischen Schriftstellergenossenschaft" — das klingt viel unverfänglicher, dabei denkt niemand an etwas Schlimmes. Die ausgesprochen antisemitische Tendenz dieser Genossenschaft ist ja schliesslich nur den mehr oder minder Eingeweihten bekannt, so dass dies ebensowenig auffiel, wie seinerzeit die Honneurs, die der aus dem Polnaer Process berüchtigte Herr Hans Arnold Schwer dem Ministerpräsidenten machte, als er den Ball dieser Genossenschaft besuchte. Um aoer auch den letzten Rest von „Ombrage"