Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4 statistisch erfassbar, als ein formeller Uebertritt zu einer anderen Religionsgemeinschaft erfolgt." Da nun die grosse Mehrzahl der Kinder von jüdischen und beim Judentum verbleibenden Eltern sofort bei der Geburt getauft zu werden pflegt, so ist die diesbezügliche, hauptsächlich in Betracht kommende Ziffer statistisch überhaupt nicht fassbar. Als Kuriosum preussischer Gesetzgebung möchte ich übrigens noch erwähnen, dass ein Vater sein jüdisches oder christliches Kind bis zum 14. Lebensjahre vom Judentum zum Christentum oder umgekehrt übertreten, nicht aber dissidentisch werden lassen kann. Dies wird durch die Abneigung des preussischen Gesetzgebers gegen das Dissidententum erklärt. Aber selbst die amtlichen, von der evangelischen Landeskirche über die Uebertritte von Juden zum Protestantismus veröffentlichten Ziffern (die Uebertritte zum Katholizismus und zu den Dissidenten sind überhaupt nicht bekannt) lassen die österreichischen Verhältnisse lange nicht so ungünstig erscheinen, wie tendenziösen Berichterstattern es zu schildern beliebt. Im Jahre 1900 betrug nämlich die Anzahl der Uebertritte von Juden zur evangelischen Religion allein: in Deutsehland 486 bei einer jüdischen Bevölkerung von 586.948 Seelen 0v8°/0; in Preussen 375 bei einer jüdischen Bevölkerung von 392.232 Seelen 0-10%; in Berlin bei einer jüdischen Bevölkerung von 92.206 Seelen 0-18% 5 während die Zahl der gesamten Austritte im Jahre 1900 in Wien 607 .betrug, denen 83 Eintritte von Christen und 2 Rücktritte von bereits ausgetretenen Juden gegenüberstehen, so dass sich in Wien per Saldo ein Abgang von 522 Personen =- 0-35% ergibt. Im Jahre 1902 war der Saldoabgang in Wien 569 Personen. Wir sehen also, wie vorsichtig man mit der Behauptung sein sollte, dass die Anzahl der Austritte aus dem Judentum in Oesterreich, speziell in Wien, eine besonders grosse sei, da Vergleiche infolge der verschiedenartigen Landesgesetze und der hier in Betracht kommenden, mangelhaften preussischen Statistik nicht nur nicht möglich ist, sondern aus dem angeführten Bild be eits erhellt, dass die Austritte in Deutschland, speziell Preussen, relativ mindestens so zahlreich sind. BF. P.-S. „Ombrage." In den jüngsten Tagen ging eine Notiz durch die Zeitungen, die wenig Beachtung fand, obgleich sie einen schätzenswerten Beitrag zur Erkenntnis heimischer Zustände lieferte. Zwei Journalisten hatten Auszeichnungen erhalten; der eine ein Jude, der andere ein Antisemit; der eine Redactionsmitglied des ,. Neuen Wiener Journal", eines Blattes, dessen politische Farblosigkeit es den österreichischen Regierungsmännern seit jeher