Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus privaten Mitteilungen in meinen Bekanntenkreisen in Deutschland, speziell Berlin, war mir zwar schon längst bekannt, dass die Tauten innerhalb der jüngeren Generation in ganz erschreckendem Masse — noch weit mehr wie bei uns — erfolgen. Auch hatte ich wiederholt Gelegenheit, zu konstatieren, dass auch jene jüdischen Elemente in Preussen, speziell in Berlin, die sich sozial nach oben zu schlichten glauben, oder einen Katheder, eine staatliche Anstellung, den Keserveoffizier etc. visieren, nur allzuschnell mit dem Taufwasser sich befreunden. Ich sah und sehe täglich, wie bei der jüngeren jüdischen Generation die Worre M o m m s e n's auf fruchtbaren Boden fallen, „dass die Juden pflichtmässig die Schranken zwischen sich und der Nation mit entschlossener Hand niederwerfen mögen-'. Trotz dieses Einblicks in die mir persönlich bekannten Verhältnisse, musste ich mir aber doch sagen, dass man aus einem immerhin relativ kleinen Bekanntenkreise statistisch noch keinen Kückschluss ziehen dürfe, dass einzig und allein die allgemeinen statistischen Ziffern massgebend seien, und dass man zu Vergleichszwecken nur jene Zahlen heranziehen könne, die in Preussen und Oesterreich gleichartig ermittelt sind. Ich musste nun vor Allem trachten, über die statistischen Daten in Preussen, vor Allem aber über die dortigen gesetzlichen Bestimmungen genaue Kenntnis zu erlangen. Die diesbezüglichen Mitteilungen verdanke ich der Liebenswürdigkeit des Dr. jur. Arthur Ruppin in Magdeburg, der so gütig war, die betreffenden Daten, soweit sie ihm nicht bekannt waren, beim kön. preussischen statistischen Bureau einzuholen. Meine Vermutung, dass die über den Austritt aus dem Judentum bekannt gegebenen preussischen Ziffern mit den wirklichen Verhältnissen in Widerspruch stehen müssten, d. h. dass sie viel geringer erscheinen, als sie tatsächlich sind, wurde nun allerdings nicht zu meiner persönlichen, wohl aber zur Befriedigung meines Gefühls für Statistik und Realität vollauf bestätigt. Nachstehende Daten mögen dies erweisen. Bei einer Geburtsanzeige am Standesamte in Preussen, welche die Unterlage für die Statistik bildet, wird nicht nach der Konfession des N-ugebornen, sondern nur nach der Konfession der Eltern gefragt. Die preussische Statistik sagt daher auch nie: es sind so und so viel jüdische Kinder geboren, sondern es sind Kinder geboren, deren Eltern sind: a) Mann und Frau jüdisch, b) Mann evangelisch. Frau jüdisch etc. etc., so dass es unmöglich ist. dass die Taufe von Neugeboinen die Zahl der aus jüdischen Ehen geborenen Kinder statistisch geringer erscheinen lässt. Ganz anders verhält sich aber die Statistik angesichts der preussischen Bestimmungen über die Konfessionsangehörigkeit der Neugeborenen. Im Gegensatze zu Oesterreich entscheidet in Preussen über die Konfessionszugehörigkeit der Kinder gemäss der Deklaration vom 21. November 1803 uneingeschränkt derjenige,