Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 10 (10.1903)
- Date
- 1903-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union. Nr. 10. Wien, Mitte Oktober 1903. 15. Jahrgang. Austritte aus dem Judentum in Oesterreich und Preussen. Wiederholt wurde in letzter Zeit, teils in öffentlichen Versammlungen, teils in der jüdischen Presse — u. A. in der Wiener Korrespondenz der Berliner „Allg. Zeitung des Judentums" — verlautbart, dass die Austritte aus dem Judentum, speziell in Wien, ein erschreckend grosses Mass angenommen hätten, so dass der Zuhörer oder der Leser, der diese Mitteilungen bona fide entgegennimmt, glauben muss, dass es sich hier um eine ganz abnorme Ziffer handelt. Dies umsomehr, als die Darstellungen stets so lauten, als ob die Anzahl der in Wien erfolgten Austritte ganz im verhältnismässig grösser seien als in Preussen, speziell in Berlin. Werden solche Mitteilungen zum Zwecke oppositioneller Agitation gemacht, so braucht man sich darüber nicht zu wundern, beliebt es doch den oppositionellen Elementen, die sich die Wiener Kultusgemeinde zum Kampfobjekt ausersehen haben, dieser die Schuld an allen möglichen Misständen — mögen sie auch noch so sehr ausserhalb der Sphäre der Kultusgemeinde gelegen sein —■ beizumessen. Kenner der Verhältnisse dürften Mitteilungen ohne ziffermässigen Beleg allerdings keine ernste Bedeutung beilegen, es gibt aber eine grosse Menge Leute, u. zw. die Mehrzahl, denen man 'derlei tendenziöse Nachrichten allen Ernstes auftischen kann. Nun hatte ich, aufrichtig gesagt, schon lange erwartet, dass endlich einmal aus dem Publikum der Beweis für jene Behauptungen und eine genaue Auskunft über die wirklichen Verhältnisse im In- und Auslande verlangt werden würde, und ich musste also damit rechnen, dass man zur ».Erhärtung" der vorgebrachten Mitteilungen mit Zahlen kommen werde. Da „sich nun mit Zahlen nicht nur trefflich streiten", sondern auch „ein System bereiten*' lässt, machte ich, um einem eventuellen „System" bei Zeiten begegne i zu können, mich daran, das authentische Material zu sammeln Mag nun auch der Wunsch um Aufklärung entsprechend unserer landesüblichen Oberflächlichkeit ,bis heute nicht erfolgt sein, h> will ich dennoch das gesammelte, nicht uninteressante Material nunmehr zur Kenntnis bringen, aus welchem hervorgeht, wie sich die Verhältnisse in Wirklichkeit darstellen.