Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 8 (August/September 1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 25 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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2b Im zweiten Stock des Hauses zerschlägt ein Mann mit Axthieben die Wand zwischen zwei Fenstern. Ziegelsteine und Kalk fallen, mit weissem Staube vermischt, auf das Pflaster. Ein durch das Fenster geschleudertes Tablett wirbelt einen Augenblick unentschlossen umher und fällt einem dicken Weib auf den Kopf, die kreischend zusammenfährt. ,.Die Kosaken!•' „Fliehen wir!" „Die Kosaken sind da!" Die Nüstern der Pferde, die blauen Mützen der Kosaken erscheinen in der Ferne; die Peitschen sausen durch die Luft und eine klangvolle, singende Stimme empfiehlt: „Vorwärts und Trab!' Ein Haufen Ziegelsteine fällt auf das Pflaster. Die Wand ist aufgerissen, und in dem ungeheuerlich gähnenden Loch, das sich in der Hausfassade gebildet, zeigt sich ein grosser, wackelnder Schrank, der gleichsam wider Willen an der Mauer entlanggleitet, am Gesims anstösst, sich um sich selbst dreht und krachend neben den übrigen Trümmern zerbricht. Ein fortwährender Lärm erfüllt die Luft, gleich dem Brausen eines stürmischen Flusses, der vor Zorn kocht und in wilder Wut über den Erdboden braust. Die menschliche Heerde flieht unter den Peitschenhieben und unter den Hufen der Pferde. Sie fliehen, blind aufs Geratewohl, wie eine Hammelheerde. Wohl könnte man sich über die Höfe flüchten, über die Hecken springen, doch niemand denkt daran, und alle diese Geschöpfe fliehen die Sackgasse entlang vor den Peitschen, die auf ihre Schultern, ihre Rücken und ihre Köpfe niedersausen. Ein kräftiger Bauer mit krausen Haaren dreht sich plötzlich um und schlägt einem Pferde heftig mit der Faust zwischen die Nüstern. Sofort verschwindet er in den dichten Reihen der Kosaken. An der Stelle, wo er untergetaucht ist, bleiben die Peitschen lange Zeit in heftiger Bewegung . . . . . Steigbügel an Steigbügel, wie eine dichte Mauer, rücken die Kosaken vor, und vor ihnen flieht die Menge, in wilder Auflösung, sich gegenseitig stossend und drängend. „Werft doch Steine auf die Kosaken!" ruft eine Stimme von oben. Ein mit Blut besudeltes Weib wirft sich plötzlich unter die Hufe der Pferde. Sie erscheint plötzlich, man weiss nicht woher — wie aus der Erde erstanden. Sie packt den Kosaken, der an der Spitze des Zuges reitet, beim Bein, und klammert sich mit lautem Angstschrei an ihn an. „Flieht!" „Halt'/' „Los auf die Kosaken!" Die Menge heult und flieht, wüst wie ein Strom, der von dem Berge hinabfliesst. Der dumpfe Lärm der Schritte und das