Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 8 (August/September 1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 19 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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19 wendigkeit beigetragen, in welcher sich Staat und Gemeinde befanden, alle Arbeiten einzustellen. Viele Leute erwarben sich durch diese Arbeiten ihr Brot und unsere Stadt hat ihre Einstellung besonders halt getroffen. Die Judenauswanderung trägt gleichfalls zu dieser schlechten ökonomischen Lage bei. Aus Jassy sind mindestens siebentausend Juden ausgewandert (bei einer Gesamtbevölkerung von 60.000). Davon hat sich heute Jeder überzeugt. Wenn wir annehmen wollten, dass jeder dieser Leute nur einen Franc täglich verbrauchte, so sind doch dem Konsum über zwei Millionen entzogen worden." Der Bürgermeister antwortete auf eine Bemerkung des Korrespondenten, dass er nicht die Möglichkeit habe, die Auswanderung einzudämmen, da die Leute eben hingehen, wo sie ihr Brot finden. Herr Penesku ist früher selbst Antisemit gewesen. Vielleicht hätten diese auswandernden Juden, die bei einem an Bevölkerung so armen Lande wie Rumänien einen doppelten Verlust bedeuten, das Stück Brot doch in einem der vielen Berufe gefunden, die ihnen durch gegen die „Fremden" gerichteten Gesetze verschlossen worden sind. Aufruf. Vor mehr als einem Dezennium wurde vom Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag die Institution zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen ins Leben gerufen und eine spezielle Damensektion gegründet, die seither diesen neuen Zweig jüdischer Humanität selbständig und zielbewusst pflegt und einer den gegenwärtigen Zeitverhältnissen angepassten Fortentwicklung zuzuführen bedacht ist. Und in der Tat kann die Sektion vermöge der bisher erreichten Erfolge darauf hinweisen, dass durch ihre Tätigkeit einem fühlbar gewordenen Mangel wesentlich abgeholfen wurde, und dass sich diese Institution in Stadt und Land bereits vollkommen eingebürgert hat. Die Nachfrage nach jüdischen Pflegerinnen ist eine so starke, dass zu unserem Bedauern nicht in jedem Falle den an uns gestellten Anforderungen entsprochen werden kann. Es ergeht daher hiemit der öffentliche Aufruf an alle jene Personen weiblichen Geschlechtes, die ledig oder verwitwet, im Alter von 20 bis 35 Jahren sind und die Eignung in sich fühlen, sich diesem edlen Berufe zu widmen, sich ehestens an die unterzeichnete Sektion zu wenden und unter Angabe der Personalien und des bisherigen Lebenslaufes sich bei der gefertigten Vorsitzenden anzumelden, wonach von dieser die näheren Auskünfte bereitwilligst erteilt werden. Tu einem eigenen Heim finden die Pflegerinnen eine vollauf befriedigende Unterkunft und ist ihnen in jeder Beziehung Gelegenheit zur Gründung einer achtbaren und sorgenfreien Existenz geboten. — Die Unterzeichneten geben sich daher der Hoffnung hin, dass sich recht viele Aspirantinnen melden und hiedurch die in sozialer Beziehung wichtige Berufsfrage für eine grosse Anzahl weiblicher Individuen, in einer für diese vorteilhaften Weise gelöst werdeu uird. Prag, den I. Juni 1903. Der Ausschuß des Zentralvereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten in Prag. Für die Sektion zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen: Die Schriftführerin : Die Vorsitzende : Hermine Wahle. Julie Leipen.