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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-08-01 · 8 (August/September 1903) · p. Seite 18

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
8 (August/September 1903)
Date
1903-08-01
Page
Seite 18 (sequence 21)
Language
German
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bewahrt. Als Pfarrer in Salzano besuchte er die Familie, welche daselbst den Sommer zubrachte, sehr häufig und verkehrte mit derselben „in herzlicher Intimität". Sein Schüler war der jetzige Deputierte Leon Romanin-Jacur (vorübergehend Unterstaats-Sekretär im Handelsministerium), mit dem Pius X. noch als Patriarch von Venedig eine lebhafte Korrespondenz unterhielt — Der Bischof von Cremona, Monsijnore Bonomelli, hat soeben unter dem Titel „Gegen den Antisemitismus" eine vielbemerkte Sehrift veröffentlicht, in welcher er diese „schmachvolle Bewegung" als nicht nur ungerecht, sondern „in ihrem innersten Wesen unchristlich" scharf verurteilt. Er bespricht die beiden Hauptanklagen gegen die Juden, ihre finanzielle Macht und die Rassenverschiedenheit, und legt dar, dass der Kapitalismus, seine Ausschreitungen und seine Praktiken keineswegs ausschliesslich „jüdische" seien, sondern zahlreiche Christen die Vorwürfe, welche man gegen sämtliche Juden erhebt, noch mehr verdienen, und dass eine Kirche, welche sich universell nennt, unmöglich eine Verschiedenheit des ethischen Ursprunges auerkennen dürfe, um Steine auf die Juden zu werfen. In Bezug auf ersteren Punkt ist die Antwort sehr bezeichnend, welche Bonomelli bei seiner Anwesenheit in Berlin einem italienischen Landsmann erteilt hat. Derselbe zeigte ihm die von Juden bewohnten Prachthäuser und bemerkte dabei: „Sie werden sich nunmehr uicht verwundern, dass es hier Antisemitismus gibt." Entrüstet erwiderte der Bischof: „Wenn die Juden sie durch erlaubte, ehrliche Mittel erworben haben, so ist dagegen nichts einzuwenden. Es ist ihr Eigentum, wie es Eigentum der Christen wäre, welche verstanden, zu tun, was die Juden getan haben. Wenn sie getäuscht, gegaunert, betrogen haben, so gibt es Gesetze, und man belange sie. Behaupten, dass sie Diebe seien, weil sie reich sind, sie hassen und versuchen, sie, wenn möglich zu verjagen, wäre widersinnig." Ueber den Rassen-Gegensatz äussert sich der Prälat wie folgt: „Im Vollbewusstsein dessen, was ich sage, erkläre ich, dass der Antisemitismus in seinem innersten Wesen unchristlich sei. Wenn ich einem Juden, wer er auch sei, begegne, dann denke ich, dass er ein Mensch ist, gleich mir, ein Werk desselben Schöpfers, von Natur mein Bruder, der dasselbe Ebenbild Gottes an sich trägt, wie ich auch. Ich denke, dass er ein Nachkomme Abrahams und der Patriarchen ist, welche ich verehre. Ich denke an die Propheten und die grossen Heiligen, welche Juden wareu. Ich denke an die Apostel, die Begründer der Kirche, welche gute Juden gewesen sind. Ich denke an jenen Apostel im wahrsten Sinne des Wortes, an den erlauchten heiligen Paulus, welcher sich rühmte, ein Jude zu sein. Ich denke au die ersten Märtyrer, welche Juden waren. Ich denke an die heilige Jungfrau, welche der Familie Davids entstammte. Ich denke au Jesus Christus". Monsignore Bonomelli fasst seine Ausführungen in folgende Schlusssätze zusammen: „1) Wer die Juden hasst, die öffentliche Meinung erregt und gegen sie aufhetzt, weil sie Juden sind, der ist ungerecht und zu allerletzt ein Christ. 2) Für uns Christen hat die Nachkommenschaft Israels ein ganz besonderes, unveräusserliches Anrecht auf unsere Sympathie und unsere Dankbarkeit. 3) Wenn es Juden gibt, welche der Vergehen, welcher man sie auklagt, schuldig sind, so entlarve man sie, dehne aber den Vorwurf und die Verurteilung nicht auf die ganze Rasse aus, und vor Allem mache man ihnen nicht aus ihrem Namen ein Verbrechen." Bukarest. (Die Judenauswanderung aus Rumänien.) Der Korrespondent des „Adeverul" in Jassy hatte eine Unterredung mit dem Bürgermeister jener Stadt, dem Abgeordneten P e n e s k u. Auf die Frage des Korrespondenten, wie er die ökonomische Lage betrachte, antwortete der Bürgermeister: „Nicht nur, dass ich keine Besserung erblicken kann, sondern unsere Stadt geht immer mehr zurück. Niemand kann das besser wissen, als wir, die wir sehen, dass die Gemeinde-Einnahmen in stetiger Abnahme begriffen sind. Die Ursachen sind nur allzu bekannt. Es hat dazu viel die Not-

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