Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 8 (August/September 1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 17 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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17 jüdischer Konfession waren. Die Ursache dieser Verfolgung war die jahrelang betriebene Hetze des Lemberger Verbandes der christlichen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften „Zwiazek stowarzyszen zarobkowych i gospodarezych", welcher die jüdischen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in seinen Publikationen des Wuchers beschuldigte, obwohl er selbst einzelne Genossenschaften zu seinen Mitgliedern zählt, die für Pfanddarlehen nicht weniger als 1« Prozent nehmen. Es ist den meisten der betroffenen jüdischen Genossenschaften gelungen, die Verleumdungen ihrer antisemitischen Gegner zu entkräften, so dass in mehr als fünfzig Fällen die strafgerichtliche Untersuchung eingestellt werden musste. — Nun wird aus Krakau eine in ihrem Umfange sehr bedeutende Defraudation einer dortigen rein arischen Genossenschaft, nämlich des „Kreditvereines für Hand- Averker und Gewerbetreibend e", registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung, gemeldet. Wie bisher festgestellt wurde, beläuft sich die defraudierte Summe auf ungefähr Kr. 330.000.—. Diese Genossenschaft stand nun direkt unter dem Patronate des obenerwähnten I.emberger antisemitischen Genossenschaftsverbandes. Die Revision des Krakauer Kreditvereines wurde alljährlich und auch in letzter Zeit von den Funktionären des Genossenschaftsverbandes besorgt. Das ist nicht die erste und nicht die letzte Defraudation, die in den Verbandsgenossenschaften vorkommt. Im vorigen Jahre wurden in Przemsylauy, vor zwei Jahren in Podhajce und Szendziszow, und zwar stets in rein arischen, dem Verbände angehörigen Genossenschaften erhebliehe Unterschlagungen entdeckt. Der Direktor des Krakauer Kreditvereines, Maksymilian Müller, der zur Erholung von seinen allzu häufigen Eingriffen in die Genossenschaftskassa in Zakopans weilte, und mit ihm noch andere Funktionäre wurden verhaftet. Der Kreditverein dürfte kaum zu erhalten sein und durch seinen Bankerott werden viele kleine Familien zugrunde gerichtet werden. BsrllD. (Antisemitismus in der Armee.) Durch die Presse ging kürzlich die Mitteilung, dass der Hauptmann der zehnten Kompagnie des 2. Schlesischen Grenadier-Regiments Nr. 11 die Einstellung eines Zweijährig-Freiwilligen we^en seines jüdischen Glaubens beanstandete. Auf eine vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erhobene Beschwerde ist vom Kriegsministerium ein das Verfahren des Hauptmanns missbilligender Bescheid ergangen, der folgenden Wortlaut hat: „Auf die Eingabe wird erwidert, dass das Verfahren der 10. Kompagnie des Grenadier- Regiments König Friedrich III. (2. Schlesisches Nr. 11) bezüglich Abweisung des Handluugscommis Ludwig Haus Hoffmann als Freiwilliger durchaus nicht gebilligt werden kann. Das Generalkommando des 6. Armeekorps hat das Erforderliche veranlasst. Eine von hier ausgehende allgemeine Verfügung ist nicht erforderlich. Nürnberg, (Ein Geständnis?auf dem Sterbebette.) Vor etwa sechs Jahren verschwand spurlos aus dem Dorfe M e n k e n im Arnswalder Kreise das dreijährige Söhnchen des Wirtschaftsbesitzers J e n s k e. Politische Hetzer brachten in die Bevölkerung den Glauben, dass das Knäblein einem Ritualmord zum Opfer gefallen sei. Es kam gegen die im Arnswalder Kreise wohnhaften Juden zu Ausschreitungen, welche erst durch die energischen Massnahmen der Behörde unterdrückt werden konnten. Jetzt erst, nach sechs Jahren, gestand ein Förster auf dem Sterbebette, dass er das im Walde nächst Menken spielende Kind für ein Wild gehalten und erschossen habe. Aus Angst, verhaftet und bestraft zu werden, habe er die Leiche des Kleinen im Walde vergraben. Der Sterbende gab auch die Stelle an, und die Behörde, welcher das Geständnis des Försters bekanntgegeben wurde, leitete sofort die notwendigen Nachforschungen ein. Rom, 11. August. Wie eine katholische Revue mitteilt, hat Papst Pius X., als er Kanonikus in Treviso war, Literatur-Unterricht in der jüdischen Familie Romanin-Jacur ertheilt und derselben auch später freundschaftliche Empfindungen