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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-08-01 · 8 (August/September 1903) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
8 (August/September 1903)
Date
1903-08-01
Page
Seite 16 (sequence 19)
Language
German
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16 BlldweiS. In dem Kalender der „Oesterreichisch - Israelitischen Union" pro 1904 ist in den die Functionäre der Cultusgemeinde Budweis betreifenden Daten die unrichtige Angabe enthalten, Herr Phil.-Dr. Krakauer sei Rabbiner und Eeligionslehrer unserer Gemeinde. Der Vorstand der Cultusgemeinde ersucht, diese unliebsame Unrichtigkeit dahin richtigzustellen, dass nach wie vor und seit Jahrzehnten das Rabbinat in Händen Sr. Ehrw. des Kreisrabbiners Herrn Adam Wunder ruht, während Herr Phil.-Dr. Emil Krakauer seit einem Jahre das bis dahin gleichfalls von Herrn Kreisrabbiner Adam Wunder verwaltete Religionslehramt an den deutseben Mittelschulen in Budwe is versieht.f Triest. Die antisemitische Presse jubelt über die Fortschritte der christlich-socialen Bewegung unter der Triestiner Bevölkerung. In einem dieser Blätter heisst es : „In Triest war der Liberalismus, beherrscht von dem gesinnungslosesten Judentum, bisher unumschränkter Gebieter. Unter dem wirtschaftlichen Druck der Judenherrschaft, unter ihrem gesellschaftlichen Anreize und gefördert von den irredentistischen Umtrieben der nationalen Judenkoterie, entstand vor einem Jahrzehnt eine antisemitische Bewegung; diese gewann Bedeutung, seit sich derselben der frühere Podestä von Triest, Dr. Dompieri, ein geschickter und angesehener Mann, angeschlossen hat. Jetzt greift er von Monat zu Monat — in einem ähnlichen Processe befindlich, wie seinerzeit die Wiener anti-liberale Bewegung — in immer weitere Kreise." Mitteilungen, welche uns direkt zukommen, bestätigen die Tatsache, dass die antisemitische Bewegung mehr und mehr an Ausdehnung gewinne. Ob wohl die Regierung sich von der Bedeutung dieses politischen Vorganges für das wirtschaftliche Leben der wichtigsten österreichischen Hafenstadt Rechenschaft gibt? Herr Dr. Dompieri mag nach den Lorbeern eines Dr. Lueger lüstern sein. Ob es aber geraten ist, dem ökonomischen Verfalle Triests ebenso mit verschränkten Armen zuzusehen, wie dem ökonomischen Verfalle der Reichshauptstadt, das mögen Herr Dr. v. Koerber und sein Handelsminister Dr. v. Call bedenken. Krakau, lO. August. (Ein Protest gegen die Blutbeschuldig u n g.) Gestern trat hier ein internationaler Rabbinerkongress zusammen, welcher von den Rabbinern von Kairo und Alexandrien einberufen worden war und zu welchem sich insbesondere aus Russland und Oesterreich-Ungarn, sowie aus Frankreich zahlreiche Delegierte eingefunden hatten. Nachmittags versammelten sich die Kongressteilnehmer in der alten Synagoge. Nach einer Eröffnungsansprache des Krakauer Oberrabbiners H o r o w i t z versammelten sich die anwesenden Rabbiner um die Bundeslade und leisteten einen Schwur auf die Bibel, ,,dass das verabscheuungswürdige Blutmärehen, welches böswillige und tückische Menschen gegen unsere Brüder, die Kinder Jsraels, seit Jahrhunderten in den verschiedenen Staaten erdichteten, als ob das Blut von Nichtjuden oder Nichtjüdinnen zu rituellen Zwecken verwendet würde, sei es als Gebot oder als Gebrauch oder als irgendwie ähnliche Einrichtung, sich weder in der Bibel, noch in den anderen überlieferten Schriften, das heisst der Thora, den Propheten und den anderen heiligen Schriften findet, weder im babylonischen noch im jerusalemischen Talmud, nicht im Sifra und Sifri oder der Mechilta Tosefta, den Midraschim, dem Sohar und allen kabbalistischen Schriften, dem Schulchan Aiuch und allen Codices der alten und neuen Rabbinen; in keinem einzigen all dieser heiligen Schriften ohne Ausnahme findet sich irgend eine Gesetzgebung oder eine gesetzliche Bestimmung oder auch nur die mindeste Andeutung über solch eine abscheuliche, widerwärtige Tat. Wir haben aber auch nie gesehen oder gehört, dass sich unter uns irgendwelche Sekten oder einzelne Personen vorfanden, die solch abscheuliche und niederträchtige Handlung begingen." Schriftliche Eidesleistungen waren Tun Rabbinen aus allen Teilen der Welt eingelangt. Lemberg. Zu Anfang des Jahres 1902 wurde von den galizischen Staatsanwaltschaften eine systematische Verfolgung solcher Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften angeordnet und durchgeführt, deren Giünder und Leiter

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