Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 8 (August/September 1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 15 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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15 für Ausländer, und das Ministerium des Innern hat nun die gegen diese Sistierung eingebrachte Beschwerde der Gemeinde abgewiesen, da dieselbe kein Recht hat, auf Grund der Heimatsgesetznovelle eine Gebühr für die Aufnahme in den Gemeindeverband einzuheben. In der letzten Sitzung des Gemeindeausschusses beschloss derselbe, gegen diese Entscheidung des Ministeriums die Beschwerde bei dem Verwaltungsgerichtshof einzubringen. Der vorsichtsweise gestellte Antrag, gleichzeitig an den Landesausschuss heranzutreten, damit derselbe ein Landesgesetz für alle Gemeinden Niederösterreichs schaffe, in welchem die Aufnahmegebührfrage für Ausländer gesetzlich geregelt wird, wurde einstimmig angenommen. Korrespondenzen. Wien. (Der sechste Zionistenkongress.) Am 23. 4. M. ist in Basel der 6. Zionistenkongress zusammengetreten. In seiner Eröffnungsrede berichtete Dr. Herzl über die bisherigen resultatlosen Verhandlungen mit dem Sultan, ferner über die Erfolglosigkeit der von der britischen Regierung geförderten Bestrebungen, vom Khedive eine Landkonzession für die Sinai-Halbinsel zur Begründung einer jüdischen Ansiedlung daselbst zu ei halten. An Stelle dieses missglückten Planes trat nun ein Vorschlag dtr britischen Regierung, in Ostafrika eine autonome jüdische Ansiedlung mit jüdischer Verwaltung, jüdischer Lokalregierung und einem jüdischen Obelbeamten an ihrer Spitze unter britischer oberhoheitlicher Ueberwachung zu legiünden. Dieser Vorschlag, den Dr. Herzl eine „Kolonisationsaushilfe" und Dr. Noidau ein „Nachtasyl" nennt, unterliegt nun der Beschlussfassung des Kongresses. Schliesslich teilte Dr. Herzl noch mit, dass die russische Regierung sich beieit erklärte, bei der Deckung der Gelderfordernisse einer zionistischen Emigration mitzuwirken und die Bemühungen des zionistischen Aktionskomites um die Eilanguug Palästinas beim Sultan mit ihrem Einflüsse zu unterstützen. Wien. (Das antisemitische Konversations-Lexikon.) Schon in den früheren, seit Beginn der antisemitischen Bewegm g erschienenen Auflagen von Meyer's grossem Konversations-Lexikon konnte vielfach konstatiert werden, dass dieses, angeblich auf rein wissenschaftlichen Grundlagen aufgebaute Sammelwerk dem Judenhasse nur allzusehr Konzessionen macht. In dem kürzlich erschienenen dritten Band der sechsten Auflage findet sich auf Seite t3 folgende Bemerkung: ^Sicherlich mag der Blutaberglaube auch zuweilen bei Juden zum Morden verführt habe n." Für diese ungeheuerliche Anschuldigung kann selbstverständlich nicht der Schatten eines Beleges angeführt werden. Wenn der Verfasser des Artikels es auch hinterher ablehnt, diese Beschuldigung der jüdischen Religionsgemeinschaft als solcher aufzubürden, so kann ihm die gerügte Behauptung doch nicht den Vorwurf der Voreingenommenheit und Oberflächlichkeit ersparen. — Unseren Glaubensgenossen empfehlen wir, sich an das durchaus unbefangene und namentlich in den historischen Artikeln anerkannt vorzügliche B r o c k h a u s'sche Konversations-Lexikon zu halten.