Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 8 (August/September 1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 13 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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13 betraute nun den Gehilfen des Chefs der Detailabtheilung, Matv e j e w, mit der Erforschung des in tiefes Dunkel gehüllten Mordes. Matvejew zog nach Dubossary, wo er sich als Privatmann niederliess. Des jüdischen Jargons vollkommen mächtig, verkehrte er viel mit den dortigen Juden. Auch der bäuerlichen Bevölkerung schenkte er volle Aufmerksamkeit. Für einige Zeit verdingte er sich sogar als Arbeiter in einer Tabakplantage. Als er nun im Laufe seiner Nachforschungen erfuhr, dass der Grossvater des Knaben, Kadon Rybacenko, zum grössten Leidwesen seines Schwiegersohnes, Michael Timoscuk, den Knaben mittelst eines notariellen Vermächtnisses zum Haupterben seines Vermögens eingesetzt hatte, lenkte sich sofort sein Verdacht auf Timoscuk. Zwei Monate verbrachte Matvejew in Dubossary. Während dieser Zeit hatte er so viel Beweismaterial gegen Timoscuk gesammelt, dass er überzeugt zu sein glaubte, Timoscuk habe den kleinen Rybacenko deshalb aus dem Wege geräumt, um den Erben loszuwerden. Nun schritt er zur Verhaftung des Michael Timoscuk und eines gewissen Anton Tiscenko. Letzterer diente als Gartenwächter bei einem gewissen Füller. Nach längerem anfänglichen Leugnen gab Tiscenko Folgendes an: Am 21. Februar sei er nach Dubossary gekommen, um Graupen und Oel einzukaufen. Auf dem Markte begegnete ihm Timoscuk, der ihn einlud, mit ihm auf ein Glas Wein zu kommen. Sie tranken damals in einer Weinschänke acht Flaschen Wein aus. Bei der vorletzten Flasche machte ihm Timoscuk den Vorschlag, dass er ihm bei der Ermordung des ihm im Wege stehenden Knaben Hilfe leisten solle, wofür er ihm 50 Rubel versprach. An diesem Tage wurden sie nicht einig. Tags darauf, am 2-/. Februar, kam Timoscuk wieder zu ihm und nun wurde der Mord beschlossen. Nachdem sie sechs Flaschen Wein getrunken, gingen sie auseinander. Nach einigen Stunden kehrte Timoscuk mit dem Knaben wieder und sie gingen in das Haus des Ersteren. Nach Verabredung hatte Tiscenko die Fallthür geöffnet, die in den Keller führte. Der Knabe wurde nun zur Fallthür gelockt und stürzte durch dieselbe in die Tiefe. Timoscuk sprang sofort nach und erschlug den Knaben mit einem dicken Stocke. Dann stieg auch Tiscenko hinab und half dem Mörder das Opfer zu entkleiden. Um den Verdacht auf die Juden lenken zu können, brachte Timoscuk dem Knaben mit einem Federmesser zahlreiche Wunden bei. Sie liessen den Leichnam bis Mittwoch den 25. Februar im Keller liegen. Am Abend trugen sie ihn zu dem nur 40 Schritte entfernten Garten Scholubow's, legten ihn dort nieder und entfernten sich. Matvejew nahm bei Beiden Hausdurchsuchungen vor. Bei Timoscuk fand er einen Pelz und eine Kappe, bei Tiscenko Leinwandstücke und eine Kappe, die mit Blutflecken übersäet waren. Timoscuk leugnet beharrlich den Mord. Beide wurden nach Odessa gebracht und im dortigen Gefängnis internirt.