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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-08-01 · 8 (August/September 1903) · p. Seite 9

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
8 (August/September 1903)
Date
1903-08-01
Page
Seite 9 (sequence 12)
Language
German
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9 zählt hatte; sie gab an, ihre Mitteilungen nur ihrer Mutter gemacht zu haben. Die Angeklagte wurde daher von dem Vergehen nach § 308 Str.-G. freigesprochen, wogegen der staatsanwaltliche Funktionär die Berufung an das k. k. Kreisgericht Kuttenberg anmeldete. Antisemitische Zettelungen in Galizien. Unser Rechtsschutzbureau hat an den Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber folgende Beschwerde gerichtet: „Seit geraumer Zeit macht sich in den Dörfern der Umgebung von Ezeszow, insbesondere in Lubenia und S i e d 1 i s k a, eine heftige Agitation gegen die dort ansässigen Juden bemerkbar. An Mauern und Bäumen wurden Plakate angeheftet, in denen die Bauern aufgefordert werden, bei jüdischen Grundbesitzern keine Feldarbeit zu leisten, die jüdischen Geschäfte und die von Juden gehaltenen Wirtshäuser zu meiden. Einzelne Bauern, welche dieser Aufforderung nicht Folge leisteten, wurden von ihren Genossen geprügelt und am Leben bedroht. Tatsächlich ist die Boykottierung der jüdischen Dorfinsassen in den erwähnten Dörfern vollständig durchgeführt, so dass selbst denjenigen von ihnen, welche fortziehen wollen, der Verkauf ihrer Habe unmöglich gemacht wird. Auf eine Anzeige der Betroffenen an die Gendarmerie wurde ihnen die Antwort zuteil, dass von der Bezirkshauptmannschaft kein Auftrag zum Einschreiten erteilt sei. Es begab sich hierauf eine Deputation, bestehend aus den Herren: Aron W o h 1 f e 1 d, Kaiman [Inger und Jan W r o b e 1, zum Herrn Bezirkshauptmanne Fedorowicz nach Rzeszow, um vor demselben über die Duldung der erwähnten Hetzereien Besehwerde zuführen. Nach dem Berichte des beiliegenden, im Jargon geschriebenen Stanislauer „Jüdischen Wochenblattes-' Nr. 9. vom 24. Juli 1903 soll der Herr Bezirkshauptmann an die erschienenen Herren eine Ansprache ungefähr folgenden Inhaltes gehalten haben: „Ihr sollt wissen, dass Ihr diesen Lohn schon von lange her verdient habet, weil Ihr das polnische Volk ausgesogen und ausgewuchert habet. Heute rächen sich die Bauern an Euch. Wir bedauern es sehr, dass Euch der König Kasimir in unser Land hereingelassen hat. Zeiget mir drei Christen in ganz Galizien, die behaupten, dass man die Juden brauche. Ihr könnt Euch zusammenpacken und gehen, wohin Ihr wollt. Glaubet nicht, dass ich Euch hier länger schützen will, denn Euer Tun und Treiben ist schon nicht mehr auszuhalten." Wir können für den genauen Wortlaut dieser Rede eine Bürgschaft nicht übernehmen; allein der diesbezügliche Bericht des Stanislauer „Jüdischen Wochenblattes" ist bisher unwidersprochen geblieben. Selbst wenn der Herr Bezirkshauptmann von Rzeszow nicht so gesprochen hat, sondern nur so denkt, wie man

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