Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 8 (August/September 1903)
- Date
- 1903-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9756662-9602757-9602955--0802-9602965- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3 Für die Opfer von Kischenew sind der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" weiter zugegangen : Kultusgemeinde Klosterneuburg................K 42.— Franz Friedenfeld, Lundenburg . ...............„ 7.— Hermann Erber, Klosterneuburg............ ... „ 5.— Thoraspende Marienbacl .................„ 11.— F. Weiner, Caslau (Nachtrag).................w 3.— zusammen K 68.— Hiezu die bereits ausgewiesenen................„ 2763.30 Summe K 2831.b0 Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Verurteilung einer Ritualmordlügnerin. Im Maihefte unserer „Monatschrift" berichteten wir aus Humpoletz, dass die 15jährige Tochter des Gemeindevorstehers Dvorak in B i s t r a bei Humpoletz den allseitig geachteten Kantor der dortigen Kultusgemeinde, Herrn P o s a m e n t i r, beschuldigt habe, derselbe hätte einen christlichen Knaben zum Zwecke der rituellen Abschlachtung aufgehängt, was das Mädchen mit eigenen Augen gesehen habe. Gegen Posamentir wurde eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet, welche ergab, dass das Mädchen zufällig in dem Augenblicke das Zimmer betreten hatte als der mit einem Körpergebrechen behaftete Sohn des Kantors einen zwischen der Tür angebrachten Zimmerturnapparat benützte. Im Einvernehmen mit unserem Eechtsschutzbureau wurde damals gegen Antonie Dvorak die Strafanzeige wegen Verleumdung und falscher Zeugenaussage erstattet und gleichzeitig von Herrn Posamentir die P r i v a t - E h r e n b e 1 e i d i g u n g s - klage angestrengt. Nunmehr wird uns aus Humpoletz unter dem 24. August berichtet : Am 20. d. M. fand beim hiesigen Bezirksgerichte die Gerichtsverhandlung über die Anklage der Kuttenberger Staatsanwaltschaft gegen Antonie Dvorak wegen Verbreitung falscher und beunruhigender Gerüchte und über die Ehrenbeleidigunsklage des Herrn Jakob Posamentir statt. Die Angeklagte verblieb auch während der Verhandlung hartnäckig bei ihrer gut eingedrillten früheren Aussage, wurde jedoch von sieben Zeugen, unter welchen sich der Gerichtsadjunkt Dr. Valentin, Bürgermeister und Reichsratsabgeordneter Becvar, sowie mehrere Sicherheitsorgane befanden, der Lüge überwiesen und wurde wegen Ehrenbe- 1 e i d i g u n g zu einer Arreststrafe in der Dauer einer Woche verurteilt. Den Tatbestand des § 308 Str.-G. nahm der Richter nicht als erwiesen an, weil nicht festgestellt werden konnte, wo und wem gegenüber Antonie Dvorak ihren verlogenen Bericht er-