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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-08-01 · 8 (August/September 1903) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
8 (August/September 1903)
Date
1903-08-01
Page
Seite 6 (sequence 9)
Language
German
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6 feststellen, der den gänzlichen Ausschluss solcher Fremder ei forderlich machte. Vielmehr bezeichnet sie es als unerwünscht, dem Zuzug von Ausländern überhaupt irgend welche Schwierigkeiten zu bereiten. Hingegen ist sie der Meinung, dass im Hinblick auf bestimmte Klassen von Einwanderern, besonders jener aus Osteuropa, es im Interesse des Staates im Allgemeinen und bestimmter Orte im Besonderen not tue, den Zuzug solcher Einwanderer nach England und ihr Wohnrecht daselbst Bedingungen und Regelungen zu unterwerfen. Als das grösste durch die Fremdeneinwanderung hervorgerufene Uebel bezeichnet die Kommission die Uebervölkerung in bestimmten Stadtteilen von London und die ständige Verdrängung der eingeborenen Bevölkerung. Sie ist deshalb für besondere Massnahmen zwecks Hinderung der Fremden, sich ihre Wohnsitze nach freiem Willen in schon derart übervölkerten Stadtteilen zu wählen. Wir übergehen jene Vorschläge der Kommission, welche sich gegen die Einwanderung sogenannter unerwünschter Fremder, als welche Verbrecher, Dirnen, Nutzniesser der Prostitution, notorische Vagabunden, Idioten, Wahnsinnige, Leute von notorischer Schlechtigkeit und solche, die mit ansteckenden oder widerlichen Krankheiten behaftet sind, bezeichnet werden, richten. Derartiger Elemente sich zu erwehren, ist gewiss £das Recht jedes freien Staatswesens. Der Kommissionsbericht schlägt aber auch die Behinderung jener Einwanderer vor, die wahrscheinlich den öffentlichen Mitteln zur Last fallen würden oder die keine ersichtlichen oder wahrscheinlichen Unterhaltungsmittel besitzen. Solche Einwanderer sollen verhalten werden können, das Land zu verlassen und ein eigenes Einwanderungsdepartement hätte für die Erlassung und Durchführung der diesbezüglichen Befehle und Normen zu sorgen. Dieser Vorschlag richtet sich direkt gegen die armen Juden aus Russland, Galizien und Rumänien, denen kein anderer Vorwurf als der völliger Armut gemacht werden kann. Gleichfalls gegen die armen Juden aus Osteuropa wendet sich weiters die vorgeschlagene Bestimmung, dass die Ansiedlung neu eingelangter Fremder in bereits übervölkerten Stadtteilen Londons zu verbieten sei. Der der Kommission angehörige Lord Rothschild hat diesen Vorschlag nur mit einem Vorbehalt unterschrieben, indem er sagte: „Ich halte es für recht, hinzuzufügen, dass meiner Ansicht nach der Vorschlag, ein Territorium für verboten zu erklären, ein viel besseres Resultat ergeben wird, als die Kritik der blossen Tatsache, dass fremde Einwanderer zu seiner Uebervölkerung beitragen." Er bemerkt ferner: „Ich bin gegen die Anwendung von Hemmungsmassregeln, weil diese, wenn sie sich auch nur direkt gegen die sogenannten unerwünschten Einwanderer richten, gewiss auch die armen Handarbeiter treffen würden, deren Mittellosigkeit kein Kriterium für ihre Unfähigkeit, sich selbständig zu erhalten, geben würde. Das zweifellos bestehende Uebel der Uebervölkerung

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