Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 7 (7.1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Vorgängen Ausdruck zu geben. Diese Auslassung des Staatsdepartements wird ostentativ durch die ».assoziierte Presse" verbreitet, welche als Begründung für die Nichtachtung der russischen halbamtlichen Aeusserungen auf die Rücksichtslosigkeit Russlands in der Mandschureifrage anspielt. Die Petition an den Zar. Die vielbesprochene Petition amerikanischer Bürger in Sachen der Kischenewer Greuel, welche Präsident Roosevelt dem Zar zu übermitteln beabsichtigt, lautet: Die in Kisckenew während des Osterfestes 1903 verübten grausamen Ausschreitungen haben in der ganzen Welt Entsetzen und Empörung erregt. Bis Eure Majestät besondere und persönliche Weisungen dazu erteilten, versäumten es die Lokalbehörden, die Ordnung aufrecht zu ei halten und den Aufruhr zu unterdrücken. Die Opfer waren Juden, und der Angriff war der Ausfluss von Eacen- und religiösen Vorurteilen. Die Autrührer verletzten die Gesetze Russlands. DieLokalbehörden erfüllten ihre Pflicht nicht. Die Juden wurden die Opfer einer unverantwortlichen Gesetz Widrigkeit. Unter gewöhnlichen Umständen würde das entsetzliche Unglück ohne unnötige Furcht vor einer Wiederkehr beklagt worden sein. Aber so liegen die Dinge nicht in dem vorliegenden Falle. Ihren Bittstellern wird mitgeteilt, dass Millionen Juden — russische Untertanen — im südlichen Russland wohnen, welche in beständiger Angst vor neuen Ausbrüchen leben. Sie sind sich bewusst: dass Unwissenheit, Aberglaube und Bigotterie, wie sie sich bei den Aurrührern zeigten, stets zu ihrer Verfolgung bereit sind, dass man sich nicht darauf verlassen kann, dass die Lokalbeamten für ihren Frieden und ihre Sicherheit strenge Sorge tragen, wenn sie nicht ausdrücklich dazu ermahnt werden, dass eine öffentliche Stimmung der Feindseligkeit gegen sie besteht und eine beständige Drohung gegen sie bildet. Selbst wenn man zugeben will, dass diese Besorgnisse bis zu einem gewissen Grade übertrieben sind, so ist es doch zweifellos wahr, dass sie vorhanden sind, dass sie nicht grundlos sind und dass sie Wirkungen von grosser Wichtigkeit haben. Die Auswanderung der russischen Juden nach dem Westen, welche seit mehr als zwanzig Jahre im Gange ist, wird durch diese Besorgnis noch gefördert, und diese Bewegung hat einen solchen Umfang gewonnen, dass sie die Vertreibung'der Juden aus Spanien bereits in den Schatten stellt und sich dem Auszuge aus Egypten an die Seite stellen lässt. Das Elend, welches die hilflosen Juden zu erdulden haben, welche sich gezwungen fühlen, ihrem Geburtslande den Rücken zu kehren, die heiligsten Bande zu lösen und fort in fremde Lande zu wandern, ist unermesslich. Es entzieht sich auch jeder Schätzung, welches Elend diejenigen zu ertragen haben, welche weder gewillt noch im Stande sind, ihr Geburtsland zu verlassen, welche sich von Freunden und Verwandten trennen müssen. Die Schrecken, die sie erdulden müssen, sind ohne Ende. Religionsverfolgung ist sündhafter und vernunftwidriger als selbst der Krieg. Krieg ist zuweilen unvermeidlich, ehrenhaft und gerecht; religiöse Verfolgung lässt sich niemals verteidigen. Der Sündhaftigkeit und Torheit, welche den Anstoss zu unnötigen Kriegen geben, wurden die grössten Schranken gesetzt, als Eurer Majestät Initiative zu der Begründung eines internationalen Friedenstribunals führte. Mit einem solchen Beispiel vor Augen, nährt die zivilisierte Welt die Hoffnung, dass auf Grund derselben Initiative in den ersten Tagen des zwanzigsten Jahrhunderts Religionsfreiheit dauernd etabliert werden wird, dass durch einen huldvollen und überzeugenden Meinungsausdruck Eurer Majestät nicht