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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-07-01 · 7 (7.1903) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
7 (7.1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 15 (sequence 18)
Language
German
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15 nur für die Regierung Ihrer Untertanen, sondern auch als leitendes Beispiel aller zivilisierten Menschen proklamiert werde, dass niemand an seiner Person, an seinem Eigentum, an Freiheit, Ehre und Leben wegen seines religiösen Glaubens leiden soll, dass der geringste Untertan oder Bürger seinen Gottesdienst üben darf nach dem, was ihm sein eigenes Gewissen vorschreibt, und dass eine Regierung, welches auch ihre Form und Organe sein mögen, diese Rechte und Freiheiten gewährleisten muss unter Anwendung ihrer ganzen Macht. Weit entfernt von Eurer Majestät Herrschaftsgebiet, unter verschiedenen Verhältnissen lebend uud unter anderer Staatszugehörigkeit, wagen es Ihre Bittsteller, im Namen der Zivilisation für religiöse Freiheit und Duldsamkeit zu plaidieren, zu bitten, dass der Mann, weicher sein eigenes Volk und alle anderen zum Schrein des Friedens geführt hat, seiner Regierung und seinem Ruhm neuen GlaDz verleihen wolle, indem er sich an die Spitze einer neuen Bewegung stellt, welche die ganze Welt zu Massnahmen gegen religiöse Verfolgungen verpflichtet. Plehwe's Schuld. Aus Petersburg erfährt das „Berliner Tageblatt" von gut unterrichteter Seite folgende Tatsachen, die in hohem Grade charakteristisch für die dortige Lage sind: . Herrn Kruschewan, dem berüchtigten Herausgeber des „Bessarabetz" und des „Snamja", haben es seine hohe Protektoren ermöglicht, ein Buch, das er über Bessarabien geschrieben hat, dem Zaren zu überreichen. Das Werk ist genau in dem Geiste geschrieben, in dem der „Bessarabetz" redigiert wird, das heisst die Schrift ist durchtränkt vom ärgsten und fanatischsten Zelotismus gegen alle „Fremden", das heisst gegen alle Russen, die nicht zur orthodoxen griechisc h-k atholischen Kirche gehöre n. Besonders bemerkenswert ist nun. dass der Zar Herrn Kruschewan für die Ueberreichung des Buches gedankt hat. Aus dieser Tatsache geht hervor, in welcher Weise es gelungen ist, den an und für sich wohlmeinenden Zaren durch eine Entstellung der Tatsachen zu vorgefassten Anschauungen zu bekehren. Ueber die Tragweite dieser Beeinflussung des Kaisers von Russland kann man sich nicht täuschen, wenn man die folgende verbürgte Aeusserung des Ministers Plehwe hinzunimmt. Er bemerkte einem einflussreichen, liberalen russischen Christen gegenüber, von dem er annahm, dass er mit jüdischen Kreisen in Beziehung stehe, das Folgende: „Wenn die Juden nicht dafür sorgten, dass ihre Glaubensgenossen der Anteilnahme an den sogenannten revolutionären Bestrebungen entsagen, so würde er Mittel und Wege finden, die Juden zur Auswanderung aus Russland zu zwingen. Was Ignatiew gelungen sei, würde er auch fertig bringen. Danach möchten sich die Juden richten." Diese Drohung in Verbindung mit den Ereignissen in Kischenew ist deutlich genug, und sollten daher neue Erneuten gegen die Juden ausbrechen, so wird man wiederum im Voraus wissen, dass sie unter dem Schutz des Ministers stattgefunden haben.

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