Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 7 (7.1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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11 machen, dass nicht ein Wort an jenen Zeitungsmeldungen wahr sei. Er knüpfe jedoch daran die entschiedene Erklärung, dass er derartige Erscheinungen oder auch nur deren Vorbereitungen mit aller Energie und allen staatlichen Mitteln niederkämpfen werde. Die offizielle Berichterstattung, von welcher der Statthalter hier sprach, scheint nicht ganz richtig funktioniert zu haben, denn wir waren schon in unserem Juni-Heft in der Lage, über eine Anzahl konkreter Fälle von Gewalttätigkeiten gegen Juden, namentlich im Neu-Sandecer Bezirke, zu berichten, und wir haben auch die Aufmerksamkeit der Zentralbehörden auf diese Vorgänge gelenkt. Bichtig ist, dass Graf P o t o c k i unverweilt mit aller Energie gegen diese Feindseligkeiten Stellung genommen hat. Denn es wurde den politischen Behörden in einem sofort nach dem Amtsantritt des Statthalters erflossenen Erlasse eingeschärft, jede antisemitische Bewegung im Keime zu ersticken. Ueberdies wurden für jede etwaige Ausschreitung, sowohl die politischen Behörden, als auch die autonomen Lokalbehörden verantwortlich gemacht und hievon die Gemeindevorstände und die Gendarmerie-Postenkommandos verständigt. Diesen Massregeln ist es auch zu danken, dass weitere Ausschreitungen verhütet wurden. Einige Bauern in der Umgebung von Neu-Sandec wurden wegen gefährlicher Drohung dem Gerichte übergeben. Präsident Roosevelt über die Metzelei in Kischenew. Am 15. Juni überreichte ein von dem Orden B'nai Brith ernanntes Komitee, bestehend aus den Herren Leo N. Levi, Julius Bion, Jakob Furth, Salomon Sulzberger, Joseph D. Coons, Simon Wolf und Adolf Moses in Washington, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Herrn Roosevelt, eine Denkschrift an den Zaren, in welcher die Vermutung ausgedrückt wird, dass dem Zaren nicht bekannt sei, bis zu welch* hohem Masse die russischen Juden unterdrückt werden. Die Stellungnahme der amerikanischen Regierung ist die, dass durch offizielle Vorstellungen an Russland nichts erreicht werden kann, dass vielmehr solche Vorstellungen Repressalien hervorrufen würden. Gelegentlich des Empfanges des erwähnten Komitees hielt Präsident Roosevelt folgende Rede: Ich habe wohl nicht nötig, der weitverbreiteten Entrüstung Ausdruck zu geben, mit der das ganze amerikanische Volk die fürchterlich e n A u s s c h r e i t u n g e n g e g e n d i e Juden in Kischenew aufgenommen hat. Es ist mir in meiner ganzen Erfahrung kein Fall bekannt, bei dem sich in diesem Lande eine raschere Sympathiekundgebung für die Opfer und ein tieferer Ausdruck des Abscheus über die Greuel der entsetzlichen Vorgänge geltend gemacht hätte. Es ist natürlich, dass die Gefühle, die die ganze zivilisierte Welt beherrscht haben, in den Vereinigten