Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 33 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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33 und Freunde der Juden in England — und sie haben nirgends mächtigere oder eifrigere Verteidiger als bei uns — waren sehr beunruhigt durch diese Auferstehung des antisemitischen Geistes, dem zufällige Verbrechen, wie der berüchtigte Mord in Polna und ein ähnlicher Fall in Preussen, neue Nahrung zuführten. Ich war damals in der Lage, bei einem Versuch, das Wachstum dieses gefährlichen Geistes hintanzuhalten, mitzuhelfen. Die Herren v. Rothschild, die aufgeklärten und grossmütigen Beschützer ihrer unterdrückten Brüder in der ganzen Welt, die meine alten und hochgeschätzten Freunde sind, waren an mich herangetreten und ersuchten mich, meinen Einfluss zu Gunsten der armen Juden geltend zu machen. Ich sollte versuchen, eine massgebende Aeusserung von jener Seite zu erlangen, die allein fähig ist, in katholischen Ländern das Uebel wirksam zu bekämpfen. Andere teilten meine Meinung, dass es Zeit sei, an den Heiligen Stuhl zu appelliren, und wenn es irgendwie möglich sei, vom Papst eine Erklärung zu erlangen, welche die Tradition, wonach die Juden zu irgend einer Zeit zum Zeremoniell des Passahfestes das Blut christlicher Opfer verwendet hätten, als eine böswillige Erfindung stempelte. Ich besuchte den liebenswürdigen Prälaten, der damals den Heiligen Stuhl in Wien vertrat und seitdem zum Kardinal ernannt wurde, und machte den Versuch, seine Sympathien für die Sache zu erwecken. Der Nuntius, mit dem ich auf vertrautem Fusse stand, versprach, die von mir erhobenen Beschuldigungen nach Rom zu melden und gab zu, dass die Vorfälle nicht nur skandalös seien, sondern geradezu der Vernunft ins Antlitz schlügen. Ich bin überzeugt, der Nuntius hat mir Wort gehalten, aber damit endete, so viel ich weiss, die Sache, und jedenfalls ist niemals eine öffentliche Erklärung erfolgt, welche die Verleumdungen verdammt hätte, deren schreckliche Wirkung wir wieder gesehen haben. Eine Tartarennacbricht Unter Berufung auf einen angeblichen Bericht der „Times" brachte Ende April das „Deutsche Volksblatt" eine Schauermär über eine Typhusepidemie, die im englischen Heere durch verseuchte Decken ausgebrochen sein soll. Das antisemitische Blatt beschuldigte eine jüdische Firma, dass sie der englischen Militärverwaltung alte infizierte Decken geliefert habe. Wir haben uns an den Londoner Chiefrabbi, Dr. Hermann Adler, mit der-. Bitte gewendet, die Beschuldigungen des „Deutschen Volksblatt" auf ihre Wahrheit zu prüfen und uns darüber zu berichten. Herr Dr. Adler schreibt uns nun unter dem 5. d. M.: „In den „Times" und, soweit mir bakannt, ebensowenig in einer anderen englischen Zeitung erschien irgend eine