Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 31 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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31 tieren. Die Wieliczkaer Judenhetzen vor einigen Jahren wurden gleichfalls durch die Hetzpredigten des Pater Szponder inauguriert, ein Beweis, wie empfänglich die hiesige Bevölkerung für derartige konfessionelle Aufreizungen ist. — Unser Rechtsschutzbureau hat die Aufmerksamkeit der kompetenten Behörden auf diese Vorgänge gelenkt. Unterm 12. Juni wird uns aus Wieliczka geschrieben : Der gestrige Fronleichnamstag ist in vollster Ruhe verlaufen. Der Erfolg Ihrer energischen und schnellen Intervention ist ein vollständiger, da der Geistliche Molinski gestern vormittag von der Kanzel ungefähr Folgendes verkündet hat: „Nachdem das Gerücht verbreitet worden ist, dass ich von dieser Stelle gegen die Juden Aufreizendes gesagt haben soll, bemerke ich, dass die dies auf einem Missverständnisse beruht. Ich fordere diejenigen, dies verbreitet haben, auf, ihre Aussagen als unwahr zurückzuziehen, und empfehle Euch, nichts gegen die Juden, die ebenso wie Ihr Kinder eines Gottes und Euere Brüder sind, zu tun, sondern mit ihnen in Eintracht zu leben." ' Diese Enunziation hat grosse Beruhigung hervorgerufen und wir hoffen, dass für längere Zeit die Ruhe ungestört bleiben wird. Ueberdies Hess P. Molinski gestern einen unserer jüdischen Mitbürger zu sich rufen und ersuchte unter Hinweis auf seine am vormittag gehaltene Rede die gegen ihn erstattete Anzeige zurückzuziehen. Der Herr Bezirkshauptmann hat mit dankenswerter Energie alle Vorkehrungen — die glücklicher Weise unnötig geblieben waren — getroffen und, wie verlautet, persönlich bei P. Molinski interveniert. Judenhetze in Volhynien. Aus B r o d y wird telegraphiert: In dem vier Kilometer von der galizischen Grenze entfernten volhynischen Städtchen Beresteczko, welches zum grösseren Teile von Juden bewohnt wird, wurde seit einigen Tagen ein antisemitischer Rummel angekündigt. Am letzten Sonntag kam es nun in genannter Ortschaft anlässlich des Wochenmarktes, zu dem eine grosse Anzahl russischer Bauern — man sagt zwanzigtausend — aus der Umgegend eingetroffen ist, zu Exzessen gegen die Juden. Spät Nachts drangen Bauern gruppenweise in die jüdischen Wirtshäuser und forderten ungestüm Branntwein. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich ein panischer Schrecken, zumal ein Wirtshausbesitzer und ein Judenmädchen gewalttätig behandelt wurden. Man wendete sich telegraphisch an den Gouverneur mit der Bitte um Anordnung