Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-06-01 · 6 (6.1903) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
6 (6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 30 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9756662-9602757-9602881--0748-9602913
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

30 Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehr-Bureau. Judenfeindliche Bauernexzesss in Galizien. Aus Neu-Sandez wird uns unterm 29. Mai geschrieben: Unter den Bauern in hiesiger Gegend beginnt es wieder zu gähren und die jüdische Bevölkerung auf dem Lande befürchtet den Ausbruch von Unruhen. So hat eine Bauernrotte in Olszemy bei Alt-Sandez dem dortigen Juden Elias Kunz nachts die Fenster eingeschlagen, und, da er den Exzedenten aus seiner Trafik Tabak umsonst zu geben verweigert hat, den kaiserlichen Adler heruntergerissen. Einer von ihnen, namens Jan Pultana, hat gedroht, dass er 30 Juden abschlachten werde, wofür er höchstens 24 Stunden bekommen könne. Der Gendarmerie- Postenführer — ein pflichtgetreuer Mann — schreckte davor zurück, den Burschen zu arretiren, da er eine Rüge seiner vorgesetzten Behörde befürchtet, und hat bloss den Fall dem Bezirksgerichte in Alt-Sandez zur Anzeige gebracht, welches die Akten wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit an das k. k. Kreisgericht in Neu-Sandez abtrat. Heute kommt mir die Nachricht zu, dass dem Hermann Herz in Podgordzie in der Nacht die Scheuer und Stallungen demoliert wurden und dass in Wolaki die Bauern die Juden bedroht haben. Eine Hetzpredigt. Aus Wieliczka, 8. Juni, wird uns geschrieben: „Seit einiger Zeit machen sich hier wieder Anzeichen bemerkbar, dass gegen unsere Glaubensgenossen etwas im Anzüge ist. Der hier amtierende Geistliche Molinski benützte die Kanzel, um seinem Antisemitismus Luft zu machen und hetzt unaufhörlich. Gestern, am 7. d. M., richtete er bei der Andacht von der Kanzel eine Ansprache an die die Kirche füllende Menge, in welcher er unter anderem sagte: „Wenn Ihr während der Prozession am Frohnleichnamstage Juden sehen werdet, die den Hut nicht herunternehmen, so schlagt ihnen denselben vom Kopf und prügelt sie ordentlich, denn das ist gesetzlich gestattet." Der hiesige Kultus vorstand ist heute bei dem Herrn Bezirkshauptmann Szczerbinski gewesen und hat denselben um Schutz ersucht. Der Herr Bezirkshauptmann hat auch versprochen, sein Möglichstes zu tun, und bei der bekannten Energie desselben, die er auch wiederholt — zuletzt bei Ausschreitungen am Palmsonntag — persönlich betätigt, ist zu. erwarten, dass eine Gefahr abgewendet werden wird. Der Geistliche Molinski benützt jede Gelegenheit, um den Hass gegen uns Juden zu schüren, und hat wiederholt gepredigt, die Juden zu boykot-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.