Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 19 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Die „Times" haben einen Geheiinerlass des Ministers Plehwe vom 25. März an den Gouverneur von Bessarabien veröffentlicht, der folgenden Wortlaut hat: „Ich habe erfahren, dass in der Ihnen anvertrauten Gegend ausgedehnte Unruhen gegen die Juden, die hauptsächlich die lokale Bevölkerung ausbeuten, vorbereitet werden. Im Hinblick auf die allgemeine Aufgeregtheit, die sich zu betätigen sucht, und auch im Hinblick darauf, dass es zweifellos nicht wünschenswert ist, durch strenge Massnahmen regierungsfeindliche Gesinnungen einer Bevölkerung einzuflössen, die bisher von der revolutionären Propaganda noch nicht berührt worden ist, wird Eure Excellenz nicht verfehlen, zur Verhütung etwaiger Unruhen beizutragen durch Ermahnungen der Bevölkerung, ohne jedoch irgendwie zu Waffengewalt Zuflucht zu nehmen." Ich habe diesen Erlass nicht zu Gesicht bekommen. Dass seine Existenz offiziell dementiert worden ist, beweist natürlich nichts. Ob er existiert, ob er nicht existiert, mag dahingestellt bleiben. Aber ist er nicht vorhanden, so ist er ausgezeichnet erfunden, und er kann nur erfunden sein von einer Persönlichkeit, die mit den Vorgängen innerhalb der Regierung ausserordentlich vertraut ist. Die Protektion, die Kruschewan geniesst, ist nämlich nicht nur eine lokale. In Kischenew selbst ist das Blatt Kruschewan's durch die Behörden zu einem führenden gemacht worden. Ich erwähnte, dass der Vizegouverneur und Zensor der Zeitung, Ustrugow, Mitarbeiter an dem Blatte unter dem Pseudonym „Dreizwanzig" war und dass andere Beamte, Richter etc. an dem Blatte mitarbeiteten — es wurde überdies durch die Behörden eine andere Zeitung des Ortes, der „Bessarabski Westnik", beseitigt; es wurden alle Gesuche wegen Herausgabe einer zweiten, anständigen Zeitung abgeschlagen, und es wurde schliesslich der nichtoffizielle Teil der offiziellen Zeitung abgeschafft, so dass das Organ des Herrn Kruschewan für die Zeitungsleser allein bestehen blieb. Alles dies betrifft Kischenew. Herr Kruschewan erhielt aber auch die Erlaubnis, in St. Petersburg eine Zeitung herauszugeben, „Snamja" mit Namen; er wurde, was ich verbürgt mitzuteilen in der Lage bin, aus Staatsgeldern von dem Minister Plehwe mit 25.000 Rubeln subventioniert, und in einem Ministerkonseil verlangte Herr Plehwe eine weitere Subventionierung, die nur dadurch verhindert wurde, dass der Minister Witte erklärte, Staatsgelder ständen für diesen Zweck nicht zur Verfügung. Unter diesen Umständen erhielt Herr Kruschewan, der hoch verschuldet ist, durch die Protektion des Ministers Plehwe den gewünschten Betrag von der Staatsbank auf Solawechsel, die Herr Kruschewan einzulösen nicht in der Lage sein würde. Zu welchem Zweck protegiert nun Herr Plehwe Herrn Kruschewan?