Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 16 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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16 mehr als 500 leicht verwundet. Es ist kennzeichnend, dass sich die Witwen scheuen, selbst Geld anzunehmen, weil sie für die russischen Pfingsten neuerliche Plünderungen befürchten und annehmen, durch ihren Besitz die Plünderer auf sich zu lenken. Die Zahl der Personen, die mittelbar von den Ausschreitungen betroffen wurden, weil sie ihre Erwerbsquellen verloren haben, ist auf 20.000 zu sehätzen. Die Geplünderten gehören zum ganz überwiegenden Teile den allerärmsten Schichten der Bevölkerung an, der Mittelstand ist schon weniger hart betroffen worden, und fast unberührt blieben die Reichen." Auch der letzte Umstand beweist, dass, wo die Behörden schützen wollten, [sie es ohne Schwierigkeit tun konnten. Der materielle Schaden wird auf 10 Millionen Kronen geschätzt. Die Interpellanten verkennen nicht, dass die Kritik einer in einem fremden Lande begangenen Tat in enge Schranken gebunden ist, aber sie ist trotz dieser Grenzen berechtigt, wenn ein gewisses Mass der Unmenschlichkeit überschritten ist, und schon in einigen Präzedenzfällen haben befreundete Mächte Vorstellungen gemacht, die auch in der epidemischen Natur von Unruhen begründet sind, welche durch Fanatisierung bildungsloser, gewalttätiger, hungriger Massen entstehen. Im vorliegenden Falle ist die Gefahr dringend, weil die russischen Pfingsten bevorstehen, und dieses Fest ebenso wie das Osterfest von Niederträchtigen benützt zu werden pflegt, um den Fanatismus der Menge zu Ausschreitungen zu hetzen. Es wird daher die Anfrage gestellt: Ist Seine Exzellenz geneigt, sich mit dem Minister des Aeussern in Verbindung zu setzen, dass dieser die russische Regierung auf die Verletzung alles menschlichen Gefühles durch die Kischenewer Bluttaten und auf deren hohe Gefahr für den allgemeinen Frieden aufmerksam mache und sich bei ihr für kräftige Massnahmen zur "Verhütung weiterer derartiger Greuel einsetze? Minister Plehwejund Kisehenew. Von einem Petersburger Freunde in hervorragender Stellung^ der diesem Blatte als völlig zuverlässig und in seinem Urteil unabhängig bekannt ist, erhält die „Nation" folgende Schilderung des politischen Hintergrundes, vor dem sich die Tragödie von Kisehenew abgespielt hat. Die Darstellung lautet: „Ueber die Ereignisse selbst, die sich in Kisehenew begeben haben, sind wir in Petersburg vollkommen unterrichtet. Eine ganze Reihe von Korrespondenzen in den Zeitungen sowie mündliche Mitteilungen von Personen, die den Massakres beiwohnten, haben allen denen, die sich für die Angelegenheit interessierten, gute Berichte zur Verfügung gestellt, und diese einzelnen Berichte