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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-06-01 · 6 (6.1903) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
6 (6.1903)
Date
1903-06-01
Page
Seite 6 (sequence 10)
Language
German
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G rein jüdischen Sache immer den grossen politischen Mantel umzuhängen,, braucht nicht erst betont zu werden. Wol verdient war denn auch die indirekte Abfuhr, die der Abgeordnete Pernerstorfer seinem jüdischen „Genossen" zu Teil werden liess, als er unter stürmischem Beifall sagte, dass es vollkommen begreiflich sei, wenn die Juden aller Länder sich ihrer Glaubensgenossen annehmen, und dass es wahrlich keine Schande sei, inmitten der ältesten Kulturnation auszuharren. Aus diesen Worten könnte so mancher Christ *— und Jude lernen. Nachfolgend geben wir noch einige in der Presse veröffentlichte Mitteilungen wieder, darunter eine der „Arbeiter-Zeitung" entnommene Nachricht des „Oswoboschdenje", die uns mit grosser Genugtuung erfüllt, da sie zeigt, dass wenigstens die jüdischen Arbeiter den von uns angedeuteten und einzig und allein gebotenen Weg der Selbstverteidigung mit Erfolg betreten haben. * * * Die „Neue Freie Presse" berichtet: Viel ist über die Judenmassakres von Kischenew schon geschrieben worden, aber die von Augenzeugen der Schrecknisse mitgeteilten Einzelheiten sind noch nicht bekannt und schier unglaublich. Einer dieser Augenzeugen, ein Lastwagenkutscher von Beruf, sagte in seiner Treuherzigkeit, dass die jüdischen Arbeiter und Taglöhner von Kischenew sich und ihre Familien wol verteidigt hätten, wenn sie nicht von dem Militär daran gehindert worden wären. Gleich beim Ausbruche der Unruhen haben sich ungefähr zweihundert jüdische Handwerker, Arbeiter und Taglöhner mit Holzknütteln versehen, um sich zu verteidigen. Anfangs bewährte sich dieses Verteidigungswerk. Die Plünderer und Räuber, welche die jüdischen Familien in deren Wohnstätten auf dem Nowy-Bazar in der Charlompistrasse überfallen wollten, wurden von den Juden mit den Knütteln in die Flucht gejagt; so wurden die in den Kellern und Mansarden versteckten Frauen und Kinder beschützt. Da kam der Polizeimeister C h a n s c h e n k o w in Begleitung einer b erittenen Schutzwache heran und befahl den Juden, die Holzknüttel aus der Hand zu legen, in ihre Wohnungen zurückzukehren und sich ruhig zu verhalten. In ihrer Todesangst weigerten sich die Juden, diesem Verlangen des Polizeimeisters stattzugeben. Da beorderte der Polizeichef einen seiner Beamten zum Platzkommando und liess die sofortige Entsendung einer Kavallerie-Abteilung verlangen. Wenige Minuten darauf sprengte eine Kavallerie-Abteilung daher, umringte die Juden und entwaffnete sie... Dann .. . dann wurden sie freigelassen, und der wilde Pöbel stürzte sich nun auf die Wehrlosen, um das Gemetzel fortzusetzen .. .

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