Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 3 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Am 4. Juni ist von böswilliger Hand bei dem jüdischen Schächter Abraham K a t z Feuer angelegt worden, während noch die ganze Familie im Schlafe lag. Katz wurde durch den Zuruf eines Unbekannten, er solle ins Schlachthaus gehen, aus dem Schlafe geweckt, und als er aus der Haustüre trat, sah er die Nebengebäude brennen. Es gelang ihm, das Feuer zu löschen, wobei er bemerkte, dass das Haus von allen Seiten mit Petroleum begossen sei. Er erstattete sofort die Anzeige bei der Gendarmerie und der Effekt dieser Anzeige war, dass Abraham Katz und dessen Frau unter dem Verdachte der Brandlegung verhaftet wurden. Während also die Entstehungslirsache von Bränden in christlichen Häusern in den meisten Fällen unermittelt bleibt, ja nicht einmal die gerichtliche Untersuchung eingeleitet wTird, werden Juden, in deren Häusern Feuer ausbricht, unter allen Umständen strenge bestraft. Für die Rechtszustände in Galizien ist es überaus charakteristisch, dass nach den Exzessen vom 23. April vier jüdische Einwohner, Namens Maier Judenberg, David Nebel, Jsrael Stahl und Uscher L e b woh 1, unter dem Verdachte der Brandlegung verhaftet wurden und sich heute noch immer in Untersuchungshaft befinden, während vier Christen, nämlich die Gemeinderäte Oniczkiewicz und M a g o r a, ferner der städtische Polizist Skrepczik und der Amtsdiener des Bezirksgerichtes Mazurkiewicz, die wegen Aufwiegelung und Teilnahme an der Plünderung verhaftet wurden, auf freien Fuss gesetzt sind. Wir haben nicht verabsäumt, die Zentralregierung' auf die stündliche Lebensgefahr, in welcher unsere Uhnower Glaubensgenossen stehen, aufmerksam zu machen und um entsprechende Vorkehrungen zum Schutze derselben zu bitten. Aber auch in anderen Orten Galiziens machen sich bedenkliche Symptome einer Gährung gegen die Juden bemerkbar, wobei die gefährliche Rückwirkung der Kischenewer Ereignisse mit in Betracht gezogen werden muss. An anderer Stelle berichten wir über Judenkrawalle, die sich in einem russischen Grenzstädtchen, in unmittelbarer Nähe von Brody abgespielt haben. Wir berichten ferner über Feindseligkeiten gegen einzelne Glaubensgenossen in der Gegend von Alt-Sandec, wo vor fünf Jahren ein Massakre nur durch die Publizierung des Standrechtes verhütet werden konnte. In Wieliczka, gleichfalls einem kritischen Punkte, wo im März 1898 die Hetzpredigten des Pater Szponder und eine in den dortigen Schulen verbreitete Broschüre zu gefährlichen Ausschreitungen gegen die Juden führten, hat wenige Tage vor dem letzten Frohnleichnamsfeste ein Geistlicher von der Kanzel herab seine Glaubensgenossen aufgefordert, jeden Juden, der sich mit dem Hute auf dem Kopfe während der Frohnleichnamsprozession auf der Strasse zeigen würde, durchzuprügeln, mit dem Beisatze, dass dies gesetzlich gestattet sei. Es ist begreiflich, dass durch solche