Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 6 (6.1903)
- Date
- 1903-06-01
- Page
- Seite 2 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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2 des Polenklubs und erregen hie durch den tiefen Hass ihrer christlichen Mitbürger und dieser Hass lodert bei jedem Anlasse zu hellen Flammen empor. Nun haben in den letzten vier Jahren in Uhnow neunzehn bedeutende Brände stattgefunden, von denen siebzehn bei Christen und zwei bei Juden ausgebrochen sind. Die Häufigkeit der Brände bei christlichen Einwohnern ist eine auffällige Tatsache nicht nur in Uhnow, sondern in ganz Galizien. Nach einer offiziellen Statistik sind in den letzten Wochen im ganzen Lande mehr als 20.000 Häuser abgebrannt, und bei den meisten dieser Feuersbrünste ist sonderbarerweise die Entstehungsursache nicht ermittelt worden. Tatsache aber ist, dass die Agenten einer Krakauer Versicherungsgesellschaft die Bauern bewegen, die bisherigen Versicherungsverträge aufzuheben und die Objekte zu einem Mehrfachen ihres wahren Wertes bei der Krakauer Versicherungsgesellschaft versichern zu lassen. Wird ein Uhnower christlicher Bürger von einem Brandunglück getroffen, so bekommt er zum Wiederaufbau seines abgebrannten Hauses unentgeltlich Holz aus dem Gemeindewalde und die Versicherungssumme kann er unangetastet in die Sparkasse legen. Nach dem letzten Brande haben die Bauern von Uhnow und Umgebung geschworen, dass bei dem Ausbruche einer neuen Feuersbiunst kein Jude am Leben bleiben werde. Angesichts der hier geschilderten Verhältnisse und des Umstandes, dass die Stadt ausschliesslich aus strohgedeckten Holzhäusern besteht, ist eine solche Eventualität geradezu unausweichlich. Ueberdies ist in jüngster Zeit die Parole ausgegeben worden, dass man das Beispiel von Kischenew nachahmen müsse Trotzdem ist über Weisung der Lemberger Statthaltern und gegen den Willen des Bezirkshauptmannes von Rawa Ruska das entsendete Militär zurückgezogen worden." Unter dem 4. Juni nun erhielten wir aus Uhnow folgende Mitteilung: Am 3. Mai Mittags brach bei dem städtischen Einwohner Pawlo Chitren Feuer aus. Die von der Gendarmerie eingeleitete Untersuchung ergab als Entstehungsursache die Anhäufung von mit Spiritus und Petroleum begossenen Lumpen unter dem Dache. Pawlo Chitren hat sein auf höchstens 120 Kronen geschätztes Haus auf 660 Kronen versichert. Eine gerichtliche Untersuchung ist bisher nicht eingeleitet worden. Gleichfalls am 3. Mai brach bei dem Juden David W i t z e l ein Rauchfangfeuer aus. Die Gendarmerie erstattete die Anzeige an das Bezirksgericht und Witzer wurde wegen Uebertretung gegen die öffentliche Sicherheit mit dreitägigem Arrest bestraft. Am 22. Mai fing der im Kamine des jüdischen Einwohners Markus Berg er angesammelte Russ Feuer. Es wurde Sturm geläutet und die Bauern machten Miene, das Haus zu stürmen, wurden jedoch hieran durch das rasche und energische Eingreifen der Gendarmerie verhindert.