Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 27 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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27 der Gemeinde diese übergrossen Anforderungen nur zu oft in der Erwartung gestellt werden, dass der Leidtragende bei solch' traurigen Gelegenheiten schwerlich in der Stimmung sein dürfte, zu remonstrieren. Am allerungerechtfertigtsten jedoch erscheint eine Einhebung spezieller Ueberführungsgebühren im Falle eines Leichenbegängnisses und der diesbezüglich entrichteten Gebühren, da es doch ganz einerlei ist, ob die Leiche zum Friedhof oder zu einem Bahnhof gefahren wird. Einem unserer Bekannten passierte es, dass ihm im Sekretariate der Wiener Kultusgemeinde auf die Frage, was er für die Ueberführung eines verstorbenen Familienmitgliedes zu entrichten habe, die Frage gestellt wurde: „Was können Sie zahlen?" Man begreift die Entrüstung des also Apostrophierten ob solcher Fragestellung. Nach dem Wortlaute des zitierten Tarifs kann aber der betreifende Gemeindebeamte pflichtgemäss nicht anders antworten. Die Wiener Kultusgemeinde sollte doch sowohl im Interesse der Reputation ihrer selbst wie jener ihrer Angestellten sich veranlasst finden, hier eine Remedur eintreten zu lassen und mit einem System zu brechen, das, — möge es welch' humanitären Zwecken immer zugute kommen oder mit Rücksicht auf die zahlreichen Gratisbeerdigungen erfolgen — keineswegs dem Sinn und der Würde unserer Religion entspricht. Da dem grossen Publikum diese Tatsachen anscheinend nicht bekannt sind und diese übertriebenen Forderungen nur aus diesem Grunde entstehen können, so glaube ich mit diesen Zeilen die Verhältnisse im allgemeinen Interesse klargestellt zu haben und erlaube mir deshalb um Veröffentlichung in Ihrer Monatschrift zu ersuchen. Hochachtend F. W. Korrespondenzen. Rom. Aulässlich des Besuches des deutschen Kaisers am italienischen Hofe wurde auch dem Kriegsminister Ottolenghi — der bekanntlich Jude ist — das Grosskreuz des preussischen Roten Adler-Ordens verliehen. Schon anlässlich des vorletzten Besuches des deutschen Kaisers in Rom hatte der der kaiserliehen Suite damals zugeteilte General die Ehre, den Kaiser auf seiner Fahrt zum Vatikan zu begleiten. War es schon originell, dass ein Jude einen protestantischen Kaiser zum katholischen Papst geleitete, so ist es jedenfalls noch origineller, dass der Kriegsminister und zukünftige Armee-Kommandant des mit Deutschland alliirten Italiens Jude ist, während in Deutschland ein Jude bekanntlich nicht einmal aktiver Lieutenant werden kann. Generallieutenant Ottolenghi, der früher Erzieher des jetzigen Königs war, ist ein glaubenstreuer Jude und wurde in Turin, woselbst er bis zur Uebernahme des Kriegsportefeuilles als Korps-Kommandant fungirte, am Sabbat oft im Tempel, in seinen Gebetmantel eingehüllt, gesehen.