Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 28 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Wien. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 1. Mai beantwortete Ministerpräsident Dr. v. Koerber die Interpellationen der Abgeordneten Dr. S k e d 1 und Dr. Straucher. betreffend die rumänische Judenfrage, mit einigen glatten diplomatischen Wendungen. Die gemeinsame Regierung, so führte Herr v. Koerber aus, verkenne keineswegs, welch wenig begünstigtes Los den Juden in Rumänien beschiedeD ist und in welch bedrückter Lage sich dieselben vielfach befinden, indem ihnen in ihrem eigenen Heimatlande häufig die Möglichkeit der Erlangung von Erwerbsquellen unterbunden ist. Die gemeinsame Eegierung, welche ihrerseits schon vom humanitären Standpunkte aus eine Verbesserung der Lage der rumänischen Juden lebhaft begrüssen würde, hat sich daher im Laufe der letzten Jahre bereits wiederholt veranlasst gesehen, der befreundeten Bukarester Eegierung — soweit es die einem unabhängigen Staate schuldigen Rücksichten zuliessen — in nichtoffizieller Weise eine Besserung des Loses der rumänischen Juden nahezulegen. Eine förmliche diplomatische Aktion würde jedoch rumänischerseits als eine unberufene Einmischung aufgefasst werden. Auch aus dem Berliner Vertrage lasse sich das Recht zu einer diplomatischen Aktion nicht ableiten, Indessen werde sich die gemeinsame Regierung -doch nicht abhalten lassen, nach wie vor bei 3ich darbietender Gelegenheit im freundschaftlichen Verkehre mit der rumänischen Regierung eine günstigere Gestaltung der Lage der rumänischen Juden zu befürworten, und es darf gehofft werden, dass die fortschreitende Entwicklung der Verhältnisse eine Wendung zum Besseren schaffen werde. — Das nennt mau trockene Pelzwäsche. Wien. Einer der übelberüehtigtsten alldeutschen Abgeordneten, der gerichtsordnungsmässig als Denunziant und Verleumder gebrandmarkt wurde, Herr Herzog, hat in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 1. Mai d. J. einen Antrag auf Erlassung von Ausnahmsgesetzen gegen die Juden eingebracht „Allen Personen ohne Unterschied der Konfession, denen väterlicher- oder mütterlicherseits jüdische Abstammung nachgewiesen werden kann, sollen ihres Staatsbürgerrechts verlustig erklärt werden." Das ist der Kern des Antrages. Nebenbei soll bestimmt werden, „dass die Juden nur in Ghettos wohnen dürfen. Besitz von mobilem Kapital wird ihnen gestattet, aber Grund nud Boden dürfen §ie ausser in den Ghettos nicht erwerben Die Ausübung von Handel und Gewerbe ist ihnen erlaubt, aber sie dürfen keine österreichischen Staatsbürger in ihre Dienste nehmen, dürfen weder Beamte, noch Richter, noch Aerzte, noch Advokaten, noch Schriftsteller sein." Wir würden uns mit diesen Delirien eines Deklassierten nicht befassen, wenn es Herrn Herzog nicht gelungen wäre, die erforderliche Anzahl von Abgeordneten zur Unterstützung dieses Antrages aufzubringen, der auch von Mitgliedern der Deutscheu Volkspartei mitunterstützt wurde. Diese Tatsache kennzeichnet zur Genüge das tiefe Niveau, auf welchem auch diese Partei bereits angelangt ist. Korrespondenz der Redaktion: An die Herren Hermann Klein in Wien, Alois Byk in Zlablngs, Ad. Weiss in Wr.-Neustadt, L. Fucns in Graz, Leopold Altmann in Lassee: ihre Dankschreiben wurden von dem Präsidium zur angenehmen Kenntnis genommen.