Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 24 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Es ist erfreulich, dass nunmehr die antisemitische Hetzpresse selbst dazu beiträgt, den Blutaberglaubeo lächerlich zu machen. Im „Deutschen Volksblatt" von 25. April d. J. finden wir folgende Notiz: „Der bei dem jüdischen Schuhmacher Lazar Löwinger, Währingergürtel 124, bedienstet gewesene Schuhmachergehilfe Josef Schwarz erlitt vor etwa acht Tagen während der Arbeit einen Schlaganfall. Er wurde von der Freiwilligen Rettungsgesellschaft in das Allgemeine Krankenhaus gebracht, wo er starb. In der Nachbarschaft des Juden Löwinger verbreitete sich deshalb das Gerücht, dass Schwarz das Opfer eines Ritualmordes geworden sei." * * Aus Neu-Sandez wird uns unterm 17. April berichtet: Am 21. März d. J. erstattete die zu Reycze gebürtige 17jährige Magd Aniela S p o r e k, welche beim jüdischen Schänker Isak Feldschreiber bedienstet war, bei der hiesigen Polizeibehörde die Anzeige, dass deren Dienstgeber Isak Feldschreiber sie an diesem Tage — an einem Samstage — in den Keller gelockt habe und mit einem grossen Küchenmesser hatte abschlachten wollen. Sie deponierte bei der Polizei zugleich das Messer, dessen spitze Klinge 31 Centimeter in der Länge und 4 Centimeter in der Breite misst. Die Magd gab an, dass Feldschreiber dieses Messer in der Hand hatte, als er in den Keller kam. Die Polizei, überzeugt von der Haltlosigkeit der Anzeige, trat dieselbe unter Beischluss des Messers der Staatsanwaltschaft mit dem Ersuchen . ab, gegen die Magd Aniela Sporek wegen Verbreitung falscher beunruhigender Gerüchte die Untersuchung einzuleiten. Die Entführung ins Kloster. Im Frühjahr vorigen Jahres rief das Verschwinden eines Judenmädchens, Rosalia Frostig, aus dem galizischen Städtchen Rozanka Aufsehen hervor, zumal man erfuhr, dass die Genannte in einem Krakauer Nonnenkloster getauft wurde. Schliesslich wurde ermittelt, dass das Mädchen am 12. Mai v. J. gegen Mitternacht mittelst eines ausserhalb des Ortes bereitgestandenen Wagens nach L.emberg gefahren war, dass der 23jährige Müllerssohn Josef F e u e r 1 e den Wagen zur Verfügung gestellt, das Mädchen begleitet und sich in Lemberg als Gatte, das Mädchen als seine Gattin gemeldet habe. Er brachte sie zuerst zu seinen Verwandten und dann ins Krakauer Kloster, wo sie unter dem Namen Angela getauft wurde. Auf Grund dieses Tatbestandes erhob die Lemberger Staatsanwaltschaft gegen Feuerle die Anklage wegen Entführung. Der Angeklagte gab an, er habe nicht gewusst, dass das Mädchen ohne Einwilligung abreisen und ihren Glauben wechseln wollte; erst während der Fahrt