Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 22 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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22 wird, das Feuer gelegt zu haben, wurde angeblich ergriffen und fürchterlich durchgeprügelt. Bei allen Christenhäusern blieben die Fenster unversehrt. Auf dem Ringplatze wurden von Exzedenten sämmtliche Sachen aus den Judenhäusern auf die Strasse geworfen. Die Jägerabteilung langte post festum an. Die Unruhen dauerten zwei Stunden. Das Feuer ist gelöscht und es herrscht nun Ruhe. Den Berichten des „Dziennik Polski" zufolge ist der durchgeprügelte Klein lebensgefährlich verletzt. Wie Ritualmordmärchen entstehen. Aus Humpoletz wird uns geschrieben: Der hiesige Kantor Herr Posamentier,, der seit 24 Jahren in unserer Gemeinde dieses Amt versieht und sich allseitiger Achtung erfreut, besitzt zwei Söhne, die noch die Mittelschule besuchen und von denen der jüngere infolge eines Körpergebrechens einen Zimmerturnapparat zur Kräftigung seiner Glieder benützte. Am Mittwoch den 22. April d. J. kam nun ein 15jähriges Bauernmädchen, die Tochter des Gemeindevorstehers Dworakin Bystra bei Humpoletz, zu Herrn Posamentier und bot ihm junge Tauben zum Kaufe an. Sie betrat das Zimmer in dem Augenblicke, als der junge Posamentier an den Ringen des Turnapparates hieng. Schreckerfüllt lief das Mädchen davon und verbreitete in der Stadt das Gerücht, dass beim Kantor ein christlicher Knabe aufgehängt sei, um den sich drei bärtige Juden zu schaffen machten. Auf Anstiften einiger antisemitischer Hetzer erstattete das Mädchen die gerichtliche Anzeige und am Samstag den 25. April d. J. erschien eine Gerichtscommission, bestehend aus dem Gerichtsadjunkten Doktor Valentin , Bürgermeister und Reichsraths - Abgeordneten B e c v a r, zwei Gendarmen und mehreren Polizisten, bei Posamentier und nahm eine eingehende Hausdurchsuchung vor. Während derselben sammelten sich Hunderte von Menschen vor dem Hause des Kantors an und nahmen eine drohende Haltung ein. Auch der Gottesdienst in der Synagoge wurde durch Lärmen und Schimpf worte gestört. Die Hausdurchsuchung bei Posamentier währte drei Stunden und die Kommission Hess vor den Augen des Mädchens und dessen Vaters den jungen Posamentier turnen, damit sich das Mädchen von dem wahren Sachverhalt Überzeuge. Trotzdem blieb sie bei ihrer ursprünglichen Angabe. Im Einvernehmen mit unserem Rechtsschutzbureau wurde gegen Antonie Dwofak die Strafanzeige wegen Verleumdung und falscher Zeugenaussage erstattet und gleichzeicig die Privat-Ehrenbeleidigungsklage angestrengt. Aus Hronow wird uns berichtet: Vor den Osterfeiertagen wurde in der hiesigen Gegend das Gerücht kolportiert, dass in dem dem H. Svoreich gehörigen Walde ein Mädchen von unbe-