Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 12 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Tatsache erblicken, die, wie so vieles andere, mit antisemitischen Tendenzen in Zusammenhang" sein dürfte. Eine direkte Nachweisungr solcher Tendenzen ist schon höchst schwierig, wenn zu dem ebenso beliebten wie beleidigenden Auskunftsmittel der „Berücksichtigung nach dem allgemeinen perzentuellen Bevölkerungsanteil der Juden" gegriffen wird, oder wenn man darauf hinweist, „dass sich keine Juden gemeldet haben". Wie man es einige Zeit einzurichten hat, damit sich eben ,.keine Juden melden", ist ja kein Geheimnis. Am allerschwierigsten ist aber die Nachweisung tendenziöser Praxis, wenn — wie es bei den Militärärzten der Fall ist — noch immer eine weit grössere Anzahl Juden wie in anderen Berufen tatsächlich vorhanden ist. Auf alle Fälle ist der geringe Perzentsatz in den obersten und jüngsten müitär-ärztlichen Chargen höchst auffallend, noch mehr die Tatsache, dass fast nur mehr christliche Aerzte zu Spitalskommandanten ernannt oder aussertourlich befördert werden. XVIII. ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichlsch-Israelitisclien Union". Samstag den 25. April fand in Khuners Restaurant unter dem Vorsitze des Präsidenten Maximilian Paul-Schi fj: die zahlreich besuchte 18. ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" statt. Zu Beginn derselben hielt der Präsident dem dahingeschiedenen Professor Moritz Lazarus folgenden Nachruf: „Geehrte Versammlung! Am 14. April hat einer der glänzendsten Vertreter des¬ Judentums in der Wissenschaft, Moritz Lazarus, zu Meran hochbetagt die Augen geschlossen. Ich sage: des Judentums in der Wissenschaft, denn die Bedeutung der gewaltigen Lebensarbeit, die Moritz Lazarus vollbrachte, reicht weit hinaus über die Grenzen unserer konfessionellen Gemeinschaft. Sein vielseitiger Geist hat fast alle Gebiete des menschlichen Wissens durchforscht und befruchtet. Der Völkerpsychologie, der vergleichenden Sprachwissenschaft hat er neue Bahnen gewiesen, Ethik und Moral, Geschichte und Kunstgeschichte, Statistik und Sozialwissenschaft danken ihm eine Fülle bedeutsamer Anregungen. Gleich Mendelssohn und Zunz hat er den Beweis erbracht, dass jüdisches Denken und jüdische Weltanschauung ihren nachhaltigen Einfluss auf den Kulturfortschritt der Menschheit geübt haben und dass das Judentum stolz seinen Anteil an diesem Fortschritte reklamieren darf. Aber als höchsten Ruhm dürfen wir es ihm anrechnen, dass er auf der Höhe seiner Erfolge nie aufgehört hat, Jude zu sein, als Jude zu fühlen und für das Judentum zu kämpfen.