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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-05-01 · 5 (5.1903) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
5 (5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 11 (sequence 14)
Language
German
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11 teilt, so befinden sich unter 728 Regimentsärzten im ersten Drittel 70, im zweiten Drittel 68, hingegen im dritten und jüngsten Drittel nur mehr 34 Juden! Aehnlich sind die Verhältnisse in der k. k. Landwehr. Unter den 173 aktiven Militärärzten befindet sich allerdings ein weit grösserer Durchschnittsperzentsatz Juden, und zwar 32°/0. Aber auch hier ist unter den 3 Oberstabsärzten I. Kl. kein Jude, unter den 6 Oberstabsärzten II. KL 1 Jude, unter den 16 Stabsärzten 4 Juden, unter den 111 Regimentsärzten sogar 47 Juden, hingegen unter den seit 1. Februar 1900 ernannten 37 Oberärzten wohl nur mehr 4 Juden. Also auch hier kann konstatiert werden, dass in den letzten 3 bis 4 Jahren die Ernennung jüdischer Aerzte rapid abgenommen hat. Was die Verhältnisse in der Kriegsmarine anbelangt, so scheinen dem Namen nach unter den 59 Aerzten 4 Juden sich zu befinden. Soweit uns bekannt, war die Anzahl jüdischer Militärärzte in der Marine seit jeher höchst gering und wurde stets mit antisemitischen Tendenzen motiviert. Aus den vorstehenden Ziffern allein kann der Statistiker allerdings noch keinen positiven Rückschluss auf eine antisemitische Strömung ziehen, aber Zahlen haben nun einmal, wie der Soziologe Max Weber sagt, einen „unglaublichen statistischen Eigensinn", und die angegebenen Verhältnisziffern müssen im Zusammenhang mit den Zeitperioden sicherlich sehr auffallen. Pflichtgemäss wollen wir nun untersuchen, ob nicht auch zufällige .Momente oder allgemeine Gründe hier in Frage kommen. Zufällige Momente sind wohl so ziemlich ausgeschlossen, was aber die allgemeinen Gründe anbelangt, so muss allerdings konstatiert werden, dass die grosse Anzahl jüdischer Mediziner infolge der traurigen Erwerbs Verhältnisse des Aerztestandes an und für sich zurückgegangen ist, obwohl man dies bei den zu nichtaktiven Militärärzten ernannten Einjährig-Freiwilligen-Medizinern bis in die allerletzte Zeit noch immer nicht bemerken kann. Da aber gerade die Unbemitteltsten unter den jüdischen Medizinern — im Gegensatz zu den christlichen — als Militärärzte eintraten, während heute die unbemittelten Schichten vom Studium der Medizin abgeschreckt sein dürften, so könnte vielleicht hierin ein Grund zum Teil gefunden werden. Andererseits dürfte auch die Annahme berechtigt sein, dass die jüdischen Mediziner, welche bekanntermassen strebsamer und fleissiger studieren, wie ihre christlichen Kollegen, gerade heute durch die widerwärtigen Verhältnisse gestählter werden und den harten Konkurrenzkampf um den Preis grösserer beruflicher Ausbildung noch immer vorziehen, als sich innerhalb des beschränkten militärischen Wirkungskreises die Flügel lähmen zu lassen. Möglich, dass diese Erklärungsgründe einiges für sich haben, immerhin müssen wir in der rapiden Abnahme bei der Ernennung jüdischer Militärärzte eine auffallende

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