Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9756662-9602757-9602848--0694-9602860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10 auf dem Papier — fielen, war von den gelehrten Berufen noch immer der ärztliche Stand der für die Juden verlockendste. Alljährlich wandten sich zahlreiche jüdische Mediziner — und zwar gerade die unbemitteltsten — der militär-ärztlichen Laufbahn zu, erlangten sie doch sofort nebst einer guten gesellschaftlichen Stellung einen relativ angemessenen sicheren Gehalt samt Pensionsanspruch, ohne den harten Konkurrenzkampf aufnehmen zu müssen. So war es bis vor nicht langer Zeit. Betrachten wir nun die Verhältnisse der aktiven Militärärzte an der Hand des Schematismus für das k. und k. Heer pro 1903, pag. 1091 —1105. Als Anhaltspunkte konnten wir allerdings nur die Namen heranzieher. Den neutralen Namen gegenüber, in deren Träger wir keine Juden zu sehen glaubten, dürfte sich auf der anderen Seite wohl eine gleiche Anzahl nicht ersichtlicher Konvertiten befinden, die wir ausser Betracht zu lassen haben. Keinesfalls dürfte in der perzentuellen Endziffer ein nennenswerter Unterschied gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen zu konstatieren sein, die wir mangels einer Einsicht in die Grundbuchsblätter nicht genau feststellen können. Die Ermittlung der Namen war bei den aktiven Militärärzten im Heere möglich, weil die grosse Anzahl magyarisierter jüdischer Namen hier nicht in Frage kommt, wie es bei den Honveds der Fall ist, denen der allergrösste Teil der aktiv dienenden ungarischen Militärärzte jüdischer Konfession angehört. Auch bei den nichtaktiven Aerzten im Heere wäre eine Ermittlung der Konfession aus den Namen wegen der grossen Anzahl magyarisierter Namen unmöglich. Unter den 1152 aktiven Militärärzten des Heeres befinden sich nach unserer Aufstellung zirka 232 Juden — 2070, eine Ziffer, die keinesfalls grösser als der perzentuelle Anteil der Juden an der allgemeinen Aerzteziffer in Oesterreich und Ungarn ist. Aus dieser Zahl allein ist jedoch nichts ersichtlich, sondern nur aus der Gruppierung. Unter den 6 Generalstabsärzten befindet sich kein Jude. Unter den 117 Oberstabsärzten 10 Juden 9%, unter 131 Stabsärzten 46 Juden 357o, unter 897 Regimentsärzten 172 Juden 247«, unter 170 Oberärzten 10 Juden — 6%. Während also kein Jude in die oberste ärztliche Charge aufgerückt ist, und bei den 46 Oberstabsärzten I. Kl. nur mehr 4 Juden, unter den 71 Oberstabsärzten II. Kl. 6 Juden sich befinden dürften, wird die allgemeine perzentuelle Durchschnittsziffer jüdischer Aerzte nur bei den Stabsärzten (3570) stark überholt, während die Anzahl jüdischer Aerzte unter den Regimentsärzten dem allgemeinen Durchschnittsperzent so ziemlich nahe kommt. Hingegen sinkt bei den seit 1. Oktober 1898 ernannten Aerzten (Oberärzten) der Perzentsatz der Juden fast auf die Minimal zilfer (14 unter 226). Fasst man aber selbst den relativ grösseren jüdischen Perzentsatz in der quantitativ massgebenden Charge der Regimentsärzte näher ins Auge, indem man diese in 3 Drittel