Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 5 (5.1903)
- Date
- 1903-05-01
- Page
- Seite 9 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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9 4en verschiedenen Bevölkerungsklassen, welche, aus schwer arbeitenden Handwerkern, ungelernten Arbeitern, Kutschern, kleinen Ladeninhabern und kleinen und grossen Kaufleuten bestehen, sind total ruinirt; ihre Wohnungen sind zertrümmert, ihre Möbel und ihre Wirtschaft, Handwerkzeuge, Kleider und Wäsche geplündert und vernichtet, Geld und Dokumente gestohlen. Etwa 50 Personen sind tot, 85 schwer und etwa 400 weniger schwer verwundet. Viele Frauen sind geschändet. Die Berichte aus Kischenew weisen weiter darauf hin. in welch grauenvoller Weise die Opfer eines zügellosen und von den Behörden nicht gehemmten Fanatismus ums Leben gekommen sind: „Man braucht nur auf den Friedhof zu gehen und sich die verstümmelten Leichen anzusehen. Hier liegen drei tote Frauen; bei einer ist der Bauch kreuzförmig aufgeschlitzt, bei einer anderen sind Eisennägel in die Nase geschlagen, einer dritten die Brüste ausgeschnitten. Dort liegt ein Gymnasiast mit einer ausgeschnittenen Zunge, noch weiter ein erdrosseltes Kind." Zahlreiche Meldungen stimmen darin überein, dass der Pöbel die Kinder aus den oberen Stockwerken auf die Strasse geworfen hat. Die unmittelbare Veranlassung der lokalen Bewegung ist auf die Hetzereien Kruschewan's, des Redakteurs des in Kischenew erscheinenden antisemitischen Blattes „Bessarabetz", zurückzuführen, der durch eine lügenhafte Ritualmordgeschichte das Volk aufgehetzt hat. Sogar die antisemitischen Zeitungen Russlands rücken jetzt von ihm ab, nachdem die Saat, die sie selbst mitsäen geholfen, so blutig aufgegangen ist. Religionsbekenntnis der Militärärzte. Und war der Mann nur sonsten brav und tüchtig, Ich pflegte eben nicht nach seinem Stammbaum, Noch seinem Katechismus viel zu fragen, — Das wird auch anders werden künftighin. Wallenstein. „Wird es erst künftighin anders werden" oder ist es nicht schon anders „geworden"? Zu dieser Frage muss man kommen, wenn man die Ernennungen im militär-ärztlichen Offizierskorps an der Hand des Schematismus für das k. und k. Heer und die k. k. Landwehr während der letzten Jahre betrachtet. Zu den wenigen Berufsarten, die seihst im vormärzlichen Oesterreich dem akademisch gebildeten Juden offen standen, gehörte der Stand der Militärärzte. Nicht nur Oesterreich, auch die österreichischen und ungarischen Juden, die dem Staate dienten, waren — sei es als Offiziere oder Militärärzte — im Lager Radetzky's zu finden. Besonders aber unter den Militärärzten konnte man seit jeher eine relativ grosse Anzahl von Juden finden, bot ihnen doch von den gelehrten Berufen nur die medizinische Fakultät halbwegs Aussicht auf Existenz, da jüdische Juristen und Philosophen weder Lehrer, Advokaten, Notare noch Staatsbeamte werden konnten. Aber auch die ärztliche Praxis war nur in manchen Provinzen möglich, eine akademische Laufbahn ausgeschlossen, so dass eine grosse Anzahl absolvierter jüdischer Mediziner froh sein musste, als Militärärzte angestellt zu werden. Selbst nach 1867, dem denkwürdigen Jahre, in welchem alle Schranken — wenigstens