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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-05-01 · 5 (5.1903) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
5 (5.1903)
Date
1903-05-01
Page
Seite 3 (sequence 6)
Language
German
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3 Zeit wiederum ähnliche Metzeleien stattfinden sollen. Dazu braucht man keine offiziellen Vereinigungen zum Zweck der Verteidigung, deren Bildung ein nach den Exzessen veröffentlichter Regierungs - Erlass bezeichnender Weise verbietet. Niemand kann es verstehen, dass eine bürgerliche jüdische Bevölkerung von . 70.000 Juden, die man keineswegs mit verhungerten galizischen Proletariern verwechseln darf, und die mehr wie die Hälfte der Gesammtbevölkerung Kischenews ausmacht, sich nicht anders gewehrt hat und dem Terrorismus einer Bande von 200 Menschen ohnmächtig ausgeliefert gewesen sein soll. Umso unfassbarer ist dies, wenn man bedenkt, dass der allergrösste Teil der männlichen jüdischen Bevölkerung bei Militär gedient hat, denn als Soldaten gemessen die Juden bekanntlich in erhöhtem Masse die Ehre, als Russen betrachtet zu werden, müssen sie doch für die Auswanderer ein perzentuell grösseres Kontingent stellen. „Mit einem Schlage, wie durch ein Wunder, wurde es still, als die feigen Mordbrenner der ersten Kompagnie Soldaten mit 100 Feuergewehren ansichtig wurden", heisst es in einem Berichte, und wahrlich, wenn alle wehrhaften Juden ähnlich wie die Bm*en, mit einem Gewehr oder Revolver sammt den nötigen Patronen ausgerüstet gewesen wären, dann hätte wohl keiner von den 200 Mordgesellen lebend das Ghetto verlassen. Wer nichts Aergeres zu riskieren hat, als mit Weib und Kind in Stücke gerissen zu werden, der muss pflichtgemäss zu jeder Notwehr greifen, mag diese auch von den russischen Strafgerichten bei Juden anders gedeutet werden wie bei Christen. Auch die Buren wussten, dass sie früher oder später der englischen Riesenmacht erliegen würden, sie haben sich aber heldenhaft gewehrt, und nur dieses heldenmütige Wehren hat ihnen einen Ehrenplatz in der Völkergeschichte gesichert. Aber nicht erst an den Buren, an den eigenen Ahnen, an den Makkabäern, können sich die Juden ein Beispiel nehmen. Und wenn einmal die ersten Flintenschüsse aus den russischen Ghetti krachen werden, dann werden auch die russischen . Behörden sicherlich ihre Pflicht tun, sei es auch nur, um die Christen zu beschützen. Nachstehend lassen wir einige Berichte aus den Tageszeitungen folgen: Der „Neuen Freien Presse" wird aus Bukarest, 3. Mai, geschrieben: Flüchtlinge aus Kischenew erzählen furchtbare Details über die zu Ostern gegen die Juden verübten Greueltaten. Schon seit längerer Zeit wurde von Agitatoren, auch von geistlichen, gegen die Juden gehetzt; das antisemitische Blatt „Bessarabetz" variirte das Thema des Ritualmordes in allen Tonarten. Die Judenhetzen waren planmässig entworfen und organisiert, Auf ein gegebenes Zeichen brachen die Banden, aus je 50 bis 60 Arbeitern bestehend, hervor und begannen in verschiedenen Richtungen ihr Werk der Verwüstung. Dem sahen die Polizeiorgane nicht nur ruhig und mit verschränkten Armen zu, sie verhinderten auch manche Juden, ihr Hab und Gut zu verteidigen. Man konstatierte, dass Sicherheitsleute über ihren Uniformen

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