Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 4 (4.1903)
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 42 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Konfessionen und Nationen geschworen hat. Aber wann fände Herr Dr. v. Härtel den Mut, den Wiener Bürgermeister an diesen Eid zu erinnern. Wenn auch der Stadtrat vollkommen autonom und nicht verpflichtet ist, eine Begründung seines — Vorgehens zu geben, so wäre es doch Pflicht der Schulbehörde, durch eine Note die Herren aufmerksam zu machen, dass diese Präterierung auffallend ist und dass die Lehrerschaft bei entsprechender Dienstleistung ein Recht auf Avancement hat. Abg. Seitz hat das schon im Vorjahre im Parlamente von Herrn v. Härtel gefordert; er sagte es damals Herrn L u e g e r ins Gesicht, dass er zu feige ist, sein Prinzip anzuerkennen und so einem Unterlehrer in dem abweislichen Bescheide zu sagen: „Du wirst nicht ernannt, weil du Jude bist!" Denn dagegen könnte der Betreffende rekurrieren und endlich die schwerfällige Verwaltungsmaschine in Bewegung setzen. Aber weder Lueger noch die Vertreter der Regierung finden eine Antwort darauf. Nur ein einzigesmal möge Herr Lueger den Mut aufbringen und seine Meinung sagen. Das wagt er aber nicht, weil ihm das Gericht beweisen würde, dass es einen Ausschluss von öffentlichen Stellen aus konfessionellen Gründen nicht gibt. Herr Lueger schreit zwar bei jeder Gelegenheit, dass man die Eide auf Gesetze halten soll, aber von den Bürgermeister-Eiden will er nichts wissen. Wien. Am 19. d. M. ist hier Herr Moritz Karpeles, der Chef des Hauses Schenker & Comp., im 68. Lebensjahre gestorben. Moritz Karpeles entfaltete als Präsident der Chewra Kadischa, sowie zahlreicher anderer Wohlfahrtsvereine eine segensreiche Tätigkeit. In dem Verstorbenen beklagt auch das Kuratorium der israelitischen theologischen Lehranstalt in Wien seinen Präsidenten, der sich um die Gründung des Seminars grosse Verdienste erworben und die Leitung desselben acht Jahre unermüdlich geführt hat. Ehre seinem Andenken! Jaslo, 29. März. In der letzten Nummer Ihrer Monatschrift (Februar-März) fand sich eine Korrespondenz aus Lemberg, in welcher der Konferenz der jüdischen Matrikenführer Galizaens eine Sünde zur Last gelegt wird, die sie gar nicht begangen hat. Es wurde dieser Konferenz vorgeworfen, dass „die wichtigste Angelegenheit, jene der rituellen Heiraten und ihre bedauerlichen Konsequenzen bezüglich des Zivilstandes von Eltern und Kindern gar nicht berührt wurde." Der geschätzte Korrespondent aus Lemberg, dessen übrigen Auseinandersetzungen ich vollinhaltlich zustimme, ist in dieser Richtung falsch informiert. Bei der am 4. Jänner d. J. abgehaltenen Konferenz, an welcher auch ich als Matrikenführer teilgenommen habe, wurde die Angelegenheit der rituellen Heiraten sehr eingehend besprochen und unter anderem der Beschluss gefasst, bei Durchführung solcher Ehen die Erfüllung der zivilgesetzlichen Vorschriften nach Möglichkeit zu erleichtern. Zur Erzielung solcher Erleichterungen soll dahin gewirkt werden: 1. dass von der Beibringung der fehlenden Geburtsscheine abgesehen werden könne, wenn die Identität und die Volljährigkeit der Eheschliessenden keinem Zweifel unterliegt, 2. dass zur Erteilung eines Dispenses nicht erst die Statthalterei, sondern schon die politische Behörde erster Instanz berechtigt sein soll, die zugleich die Pflicht hätte, ein diesbezügliches Gesuch binnen sechs Wochen zu erledigen und 3. dass keinerlei wie immer geartete Honorare für Eheaufgebote verlangt werden dürfen. So wichtig diese Beschlüsse sind, so sehr muss mit Bedauern konstatiert werden, dass das Präsidium der Konferenz der übernommenen Pflicht, diese Beschlüsse zur Durchführung zu bringen, bis heute noch nicht im geringsten nachgekommen ist, ja nicht einmal einen Schritt hierzu unternommen hat. Es wurde sogar unterlassen, die Oeffentlichkeit von den am 4. Jänner d. J. gefassten Beschlüssen in gebührender Weise zu unterrichten. M. P o 1 a n e r, israelitischer Matrikelführer.