Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 4 (4.1903)
- Date
- 1903-04-01
- Page
- Seite 38 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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38 wies auf die im Abgeordnetenhause eingebrachten 180 Petitionen, die mit überaus zahlreichen Unterschriften versehen sind und deren Inhalt auch durch eine ebenso grosse Anzahl von Petitionen der Vorstände von Kultusgemeinden unterstützt wird. Die Forderungen gehen dahin, dass bei dem Umstände, dass die israelitischen Handels- und Gewerbetreibenden in Galizien und der Bukowina, die mehr als 90 Perzent dieser Steuerzahler umfassen, den Bestimmungen ihrer Glaubenssatzungen entsprechend, sich vom Freitag-Vorabend bis Samstag-Abend, somit durch 26 bis 28 Stunden, jeder Handels- und gewerblichen Tätigkeit enthalten und diese Zeit auch ihren Hilfsarbeitern freigeben, den Handel- und Gewerbetreibenden in Galizien und der Bukowina gestattet werden möge, am Sonntag ihr Gewerbe auszuüben. Der Ministerpräsident erklärte, dass die Regierung der Angelegenheit ihr Wohlwollen zuwenden und die vorgebrachten Bitten im Rahmen der Möglichkeit unterstützen werde. Der Führer der Deputation, Herr Taubes, hat sich auch an unser Rechtsschutzbureau gewendet, welches den Herren jede mögliche Förderung zuteil werden liess. Was der Staatsanwalt nicht konfisziert. Am 30. März d. J. fand im Saale „zum grünen Thor" eine Versammlung der Ortsgruppe Josefstadt des Vereines „Christliche Familie" statt, in welcher der Abgeordnete Axmann folgendes ausführte: „Der Verein ist bestrebt, das Wirtschaftsleben so zu gestalten, dass jedem, der mit uns eines Fleisches und Blutes ist, wiedergegeben werde, was er durch die Konkurrenz der Gegner verloren. Leider steht die Sache nur auf dem Papier; in der Praxis wird sie nicht befolgt. Trotz der grossen Versammlungen vor Ostern, Pfingsten und Weihnachten und trotz der Frauen-Organisationen b 1 ü h e n doch die grossen Judengeschäfte, da die christlichen Frauen noch zuviel dort hineintragen." Der Abgeordnete Prinz Liechtenstein machte der Versammlung zunächst die interessante Eröffnung, dass er selbst die landwirtschaftlichen Erzeugnisse seiner Güter an Juden verkaufe und dass er seine drei Gasthäuser an Juden verpachtet habe. Er sprach dann von den Verhältnissen in Böhmen und Mähren und führte aus: „Das Judentum spiele auch dort schon, besonders in den Städten, eine grosse Rolle. Am Lande aber, in den Dörfern, lassen die Bauern den Juden nicht aufkommen, sondern zwingen denselben, wenn er sich dort etablieren will, zum Abzug, indem sie ihm einfach nichts abkaufen. So sollte es auch bald in Wien sein. Wenn die christliche Frau in ganz Wien nur bei Christen kauft, dann kann der schöne Augenblick kommen, wo die Juden mit unserem Segen uns Lebewohl sagen und uns weiter in Ruhe lassen werden." Wir besitzen im § 302 Str.-G. eine wunderschöne Bestimmung, welche die Aufreizung zu feindseligen Handlungen gegen einzelne