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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. Seite 37

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
Seite 37 (sequence 40)
Language
German
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37 Aus Posen wird gemeldet: Ein Ritualmordmärchen setzt seit einigen Tagen das Städtchen Jutroschin in Posen in Aufregung und hat sich mit unheimlicher Geschwindigkeit in der ganzen Umgegend verbreitet. Es geht dahin: Der angesehenste und reichste israelitische Kaufmann unserer Stadt, W. Rosenbaum, Vorsteher der Chewra Kadischa, habe einen christlichen Schüler in seinen Keller gelockt und dort in eine Kiste eingenagelt. Erst nach drei Tagen wären bei den Nachforschungen, die die Eltern des Knaben anstellen Hessen, die Gendarmen durch schwache Hilferufe der Tat auf die Spur gekommen und hätten den Knaben halberstickt und fast verhungert aufgefunden. — So unglaublich lächerlich diese Erzählung ist, so schlimm ist ihre Wirkung gewesen : Das Haus des Kaufmanns R., dessen Kundschaft fast ausschliesslich aus der Landbevölkerung besteht, wird vollständig boykottiert; ihm wird nichts übrig bleiben, als fortzuziehen. Und auch die Geschäfte der übrigen jüdischen Kaufleute, welche einen Teil ihrer Waren im Keller aufgespeichert haben, werden ängstlich gemieden, so dass die Breslauer Reisenden keine Aufträge mehr erhalten. Mit den böswilligen Urhebern des Gerüchtes, den Mitschülern des betreffenden Knaben (der in Wirklichkeit einen Tag die Schule geschwänzt hatte), wird sich wohl demnächst das hiesige Gericht zu befassen haben. Auch der folgende Vorfall wird von den antisemitischen Blättern zu einer Ritualmordhetze ausgebeutet: Am Faschingsonntag erbat sich die beim Olmützer Kafetier Götz bedienstete Magd Emma Jurin die Erlaubnis, zur Tanzmusik gehen zu dürfen, und seit dieser Zeit ist das Mädchen abgängig. Der Kafetier liess die Dienstmagd, als sie nicht mehr zurückkehrte, einfach bei der Polizei abmelden, ohne jedoch anzugeben, dass sie abgängig sei, und so geschah es, dass niemand nach der Vermissten forschte. Erst als am 15. d. M. die Eltern des Mädchens zum Besuch desselben in Olmütz eintrafen, teilte ihnen der Kafetier mit, dass er keine Ahnung habe, wo sich seit dem 22. Februar ihre Tochter aufhalte. Ihren Koffer hatte ihr ehemaliger Dienstgeber dem Hausmeister zur Aufbewahrung übergeben und derselbe wurde nun den Eltern ausgefolgt. Ausser Kleidern und Wäsche befanden sich auch die geringen Ersparnisse des Mädchens in den,selben. Die Sonntagsruhe in Gaüzien. Eine Deputation der israelitischen Handels- und Gewerbetreibenden ausGalizien und der Bukowina, bestehend aus den Herren Taubes und Helwingl (Kolomea), Zimmermann und Querbach (Lemberg), Wollisch (Stanislau), Schlamm (Przemysl) und Bender (Kolomea), sprach am 22. März beim Ministerpräsidenten Dr. V, Koerber vor und überreichte ein Memorandum in Angelegenheit der Abänderung der Bestimmungen über die Einhaltung der Sonntagsruhe. Die Deputation ver-

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