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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
Seite 13 (sequence 16)
Language
German
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13 Werkzeug aller politischen Abenteurer. In der zusammengepferchten Bevölkerung grassieren ansteckende Krankheiten, Seuchen, die Kindersterblichkeit ist furchtbar, und so vermindert sich die Volkszahl im ganzen, und zwar in einem umso schnelleren Temjpo, je mehr sich das Reservoir aller Kraft, das flache Land, entleert. Das Resultat ist überall ein erschreckendes Zusammenschmelzen der Gesamtvolkszahl und damit der Verlust aller politischen Macht und Kraft. Sparta, das noch während der Perserkriege ausser den Trossknechten 9000 schwerbewaffnete Hopliten ins Feld stellen konnte, konnte drei Jahrhunderte später keine 300 Mann mehr auf die Beine bringen; dasselbe gilt für die anderen hellenischen Stadtrepubliken, und schliesslich auch für Rom in der späteren Kaiserzeit, das überhaupt nur dadurch immer wieder zu einiger politischer Kraft kommen konnte, dass es seine Legionäre und das Stadtproletariat durch eine gigantische innere Kolonisation auf dem immer neu eroberten Lande ansetzte. Bis zu diesem äussersten Grade von Entvölkerung und Entkräftigung ist Juda-Israel nicht gelangt. Der Prozess hatte nicht Zeit, sich vollständig auszuwirken. Aber es unterliegt für mich keinem Zweifel, dass der Verlust der politischen Macht, der zur Unterwerfung des Landes durch die östliche Grossmacht führte, ganz vorwiegend bedingt war durch die Verminderung der Volkszahl und Wehrkraft; v. as noch fehlte, hat die politische Zersplitterung des von elfersüchtigen Grossadelsfamilien beherrschten Landes bewirkt — die Assyrer wurden übermächtig, nicht weil ihre Zahl so gross, sondern weil die Zahl der israelitischen Krieger so klein geworden war, und weil die wenigen, die übrig geblieben waren, an sittlicher und physischer Kraft ausserordentlich verloren hatten. Diese grauenhafte Entvölkerung, diese im wahrsten Sinne des Wortes als Schwindsucht zu bezeichnende Volkskrankheit ist die letzte Ursache des antiken Staatentodes, der zyklischen Katastrophen, die all diesen Gemeinwesen ein frühes Ende gesetzt haben. Sie ist auch die Ursache des Niederganges und des Todes der beiden jüdischen Staaten. Dass diese Auffassung richtig ist, geht — glaube ich — aus zwei Dingen hervor. Erstens daraus, dass gerade die Fortführung der Besitzenden, des Adels, durch die siegreichen Assyrer dem Volke wieder Kraft gibt. Nun haben die Armen wieder Platz im Lande, sie können wieder Bauern werden, und diese neue Aufzucht von Bauern, die durch das Exil erst ermöglicht wurde, gab dem niedergeworfenen Lande die Kraft und politische Macht zurück, die sich in der Makkabäerzeit noch einmal so herrlich zeigte. Und zweitens bestätigt die Agrargesetzgebung der Israeliten meine Auffassung vollkommen. Genau so gut, wie Solon und Kleisthenes

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