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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. Seite 10

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
Seite 10 (sequence 13)
Language
German
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10 lebten. Sie kamen als Eäuber und Wächter an den Karawanenstrassen früh mit den Handelsleuten der drei Länder in Verbindung; so wurde die Geldwirtschaft früh bei ihnen importiert, und darum verlief der Prozess jener Volkskrankheit bei ihnen mit ungeheurer Geschwindigkeit. Fortan handelt es sich nicht mehr darum, möglichst viel Land zu erwerben, um möglichst viele Leute ansässig zu machen, das heisst immerhin die Kraftquelle eines Staates, wenn auch einen unfreien Bauernstand, nach Möglichkeit zu vermehren; sondern jetzt handelt es sich darum, möglichst viel Land zu erwerben und es von möglichst wenigen Arbeitskräften möglichst intensiv bestellen zu lassen, um so viel als möglich Getreide, Oel, Wein usw. auf die mit rotem Gold zahlenden Märkte Phöniziens und Egyptens senden zu können. So entstand das kapitalistische Latifundiensystem, das die Kraft des israelitischen Staates genau so brach, wie es ein halbes Jahrtausend spater die Kraft Italiens vernichtete. Die Entwicklung in der kapitalistischen Sklavenwirtschaft im einzelnen ist nicht leicht zu schildern, denn es laufen viele verschiedene Fäden durcheinander, deren Entwirrung Zeit verlangt. Die Hauptsache ist die Verödung, die Entvölkerung des flachen L a ndes; die Latifundien fressen um sich wie der Feldbrand in der Dürre. Aus verschiedenen Ursachen! Der Adel, das heisst die Grundherren, bestimmt die Geschicke des Landes; sein Interesse treibt ihn zu fortwährenden inneren Fehden um die Vormacht im Lande, und ebenso oft zu auswärtigen Feldzügen. Die Last dieser Kriegsdienste trägt aber der freie Bauer; er muss die teure Eüstung beistellen, kann seine. Felder nicht bestellen und verfällt in Schulden bei demselben Grundadel, dessen Kriege er führt, er wird als Schuldner dessen Knecht und verliert Freiheit und Eigentum. Ich habe nicht nötig, die zahlreichen Stellen aus den Propheten hier anzuführen, in denen diese Verelendung der Bauernschaft mit den stärksten Worten angeklagt wird. Dazu kommt die unmittelbare Verwüstung der schutzlosen Bauernstellen durch die Fehden und Kriege, ein Geschick, das den grossen Grundherrn, der in der Stadt von seinen Eenten lebt, naturgemäss viel seltener und viel weniger schwer betrifft — und es kommt schliesslich dazu der ebenfalls von den Propheten so oft und hart beklagte Missbrauch der Justiz, die sich gleichfalls in den Händen der Grundherren befindet: das unerhört harte Schuldrecht, die Kechtsbeugung und der offene Kechtsbruch. Alles das lässt die freien Bauern des platten Landes reissend zusammenschrumpfen, und ihnen muss der Handwerker und Händler der Kleinstädte folgen, der von der Kundschaft dieser kleinen freien Elemente lebte. In der Grundherrschaft ist für ihn kein Platz; denn den schmalen Bedarf seiner Sklavenherde lässt der Latifundienbesitzer hier wie überall durch die Sklaven selbst erzeugen. Hier liegt die Wurzel einer sehr merkwürdigen Erseheinung. In allen antiken Staaten ist auffallend die ungeheure Zahl der Händler,

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