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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
Seite 7 (sequence 10)
Language
German
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7 selten in ein leeres Land. Die Eegel in der Geschichte ist die, dass Hirtenstämme ein schon von Ackerbauern besetztes Land kriegerisch unterwerfen, um sich als „Adel" über sie zu setzen. Das ist der eigentlich geschichtliche Typ. Je nachdem nun die soziale Differenzierung in dem eroberten Lande ihrerseits vorgeschritten oder zurückgeblieben ist, ergeben sich sehr bedeutende Unterschiede in der Staffelung der sozialen Klassen des neugebildeten Staates. Jedenfalls aber entstehen auch hier sofort mit der Staatsgründung und der Ansiedelung sehr bedeutende Differenzen der Vermögenslagen, der Eigentumsgrösse, und der Klassenstellung, ohne dass die wirtschaftliche Differenzierung irgendwie dabei mitwirkte. Einwanderung in leeres Land aber, oder Eroberung eines \on Ackerbauern besetzten Landes: überall zeigt uns der primitive Staat die Einteilung in mindestens drei voneinander scharf unterschiedeneStande: die Grundherren mit verhältnismässig mächtigem Grundbesitz, auf dem ihre Weidesklaven und hörigen Ackerbauern angesiedelt sind; ferner den kleinen Waffenadel, die ärmeren Gemeinfreien, die nichts zu Eigentum haben, als ihre Hufe, und schliesslich der Stand der Kechtlosen, der seinerseits in Halbberechtigte, hörige Bauern und gänzlich dem Herrn unterworfene Haus- und Weidesklaven verfallen kann. Das ist der Anfang des Staatswesens, das der Ausgangspunkt aller weiteren sozialen Differenzierung und Entwicklung. Nun besteht im Gesellschaftsleben eine Tendenz, die ich als das „Gesetz der Akkumulation um vorhandene Vermögenskerne" bezeichnet habe. Wo immer ein bedeutendes Vermögen vorhanden ist, da wirkt es wie ein Kristallisationskern in der Mutterlauge: es reisst die kleineren Kerne an sich. Es gilt schon auf der Nomadenstufe: denn die Herde der grossen „Fürsten der Stammhäuser", wie es in der Bibel heisst, die unter dem Schutz reisiger Sklavenscharen an den verschiedensten Stellen weiden, sind viel sicherer vor dem gänzlichen Verlust, als die kleinen Herden der gewöhnlichen Gemeinfreien. Indecs sind sie vor dem gänzlichen Verlust doch nicht genügend geschützt, wie wir erst in allerneuster Zeit an dem Beispiel des schwedischen „"Renntierkönigs" Grahus erlebt haben, des reichsten Mannes der schwedischen Lappen, der sein riesiges Eigentum an Kenntierherden plötzlich infolge von Misswachs, Dürre und Schneesturm gänzlich einbüsste und heute der schwedischen Armenpflege zur Last fällt. Ein solcher Verlust ist aber beim Grossgrundeigentum unmöglich. Es ist unzerstörbar, und so wird es denn zum Kern einer viel grösseren Vermögensakkumulation und — um mit Marx zu sprechen —• einer viel stärkeren Expropriation des Vermögens der Kleinen, als das grosse Herdenkapital es jemals vermochte. Wir können diesen Prozess in Westeuropa, namentlich in Deutschland, am eingehendsten historisch verfolgen: er verläuft ungefähr folgendermassen: Der Grundherr lässt durch seine eingewanderten Sklaven in der Gemeinmark, d. h. dem nicht aufgeteilten Gemeinbesitz des Stammes oder Gaues, neue Hof stellen

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