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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-04-01 · 4 (4.1903) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
4 (4.1903)
Date
1903-04-01
Page
Seite 3 (sequence 6)
Language
German
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jedes ihm gestellte Rätsel die Antwort gibt: „Mein Hausschlüssel Ye — so beantworten diese soi-disant-Geschichts-Philosophen jedes Bätsei, das ihnen die Geschichte stellt, mit dem einen Worte „Rasse"! Der gefährlichste Vertreter dieser Pseudo-Geschichts-Philosophie ist Houston €hamberlain, dessen „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts"" eine Karikatur echter Wissenschaft darzustellen, dabei aber durch das Brillant-Feuerwerk der Darstellung auf unkundige Köpfe den stärkste» Eindruck zu machen geeignet sind. Ich habe für die Tatsachen der zyklischen Katastrophe eine andere Erklärung gegeben, die ich Ihnen vortragen möchte. Sie ist noch Hypothese, noch nicht anerkannt. Was ich vortrage, dafür stehe ich vorläufig noch allein, aber ich habe triftigen Grund, doch 3chon vor einem weiteren Kreise damit hervorzutreten, und zwar, weil die grundlegenden Sätze, die aller bisherigen Soziologie zugrunde liegen, zweifelsohne falsch sind. Es herrscht nämlich ganz allgemein in Sozialwissenschaft und Geschichte die Vorstellung, dass da, wo Eigentum überhaupt begründet wird, namentlich Grundeigentum^ eine Verschiedenheit der Vermögen die notwendige schnelle Folge sein muss. Die Differenzierung der Völker in soziale Klassen, von der alle Geschichtsschreiber mit Recht ihre späteren Schicksale ableiten wollen, soll eine, mit der Begründung des Eigentums notwendig verknüpfte Erscheinung sein. Auf diesem Standpunkte steht die National - Oekonomie von Adam Smith herab bis zu Marx und den Katheder- Sozialisten der Gegenwart, und dieselbe Auffassung gilt auch in aller Geschichte. Eduard Me}^er z. B. setzt sie als Prämisse an die Spitze seines berühmten Werkes über die „Geschichte des Altertums". Die Theorie ist zweifellos falsch. Die These, die ich zunächst verteidigen möchte, und die uns später zu entscheidenden Schlüssen dienen wird, ist die: „aus der Gleichheit der Vermögen kann niemals eine Ungleichheit der Vermögen werden."' Stellen Sie sich vor, dass ein Volk gleicher, freier Hirten ein leeres Land in Besitz nimmt, das für ihre Verhältnisse ausserordentlich gross ist, und darauf zum Ackerbau übergeht. Wie gross wird nun das Land sein, das jedes Mitglied dieser demokratischen Gesellschaft in Besitz nimmt? Wenn wir heute hundert Bauern 100 000 Morgen Land anweisen, so wissen wir genau, was sie machen werden: jeder nimmt sieh 1000 Morgen, auch wenn er für den Augenblick nur 20 oder 30 zu bestellen imstande ist. Wir wissen, weswegen das geschieht: heute hat Grund und Boden Wert und auf die Möglichkeit hin, dass später andere Menschen kommen werden, die Land brauchen und dafür, dass man ihnen die Bearbeitung gestattet, dem Besitzer eine Steuer zu zahlen bereit sind — die Grundrente —, auf diese Möglichkeit hin sichert sich jeder erste Okkupant in einem neuen Gebiete so viel Land, als ihm die Gesetze und der Wettbewerb der gleichzeitig Einwandernden irgend gestatten. Von diesen Motiven kann aber in unserem Fälle nicht im mindestens die Rede sein. Jene einwandernden Hirten kommen nicht

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