Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 1 (1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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24 eines J u d e n um Naturalisierung die Ansicht, die gesetzgebenden Körperschaften Rumäniens sollten angesichts der von den Juden im Auslande gegen Rumänien verbreiteten Verleumdungen eine gewisse Zeit hindurch Juden das Heimats recht nicht verleihen. Senator Gradisteanu bekämpfte diesen Antrag. Unterrichtsminister Haret erklärte namens der Regierung, es gehe nicht an, einen Unterschied in der Behandlung der Ausländer zu machen. Man müsse die Gesetze gegenüber jedermann mit Gerechtigkeit und Gleichheit in Anwendung bringen. Was die gegen Rumänien in so reichem Masse verbreiteten Verleumdungen betrifft, so wolle sie der Minister nicht näher beleuchten. Die Wahrheit werde an den Tag kommen und man werde einräumen müssen, dass Rumänien tolerant und wohlwollend gegen j e d e r m a n n, selbst gegen seine Feinde sei; man dürfe aber den Verleumdern keinen Vorwand bieten. Das in Verhandlung stehende Ansuchen wurde bewilligt. Feuilleton. Morris Rosenfeld. Morris Rosenfeld ist ein jüdischer Dichter. Diese Rezeichnung will nicht etwa ein schiefes Welturteil nach bewährtem Muster sein, vielmehr soll damit nur die nackte Tatsache ausgesagt werden, dass Morris Rosenfeld nicht in deutscher oder englischer, sondern in jüdischer Sprache dichtet. Jüdische Sprache? Was ist denn das? Soll damit etwa das Hebräische gemeint sein, welches wohl vor zwei Jahrtausenden lebende Xationalsprache der Juden war, jetzt aber nur der Gnade der Gelehrten und der Priester es dankt, wenn es noch eine Art Leben nach dem Tode fristet? ... Xun. vom Hebräischen ist nicht die Rede. Uebrigens sind auch bezüglich seiner beiläufig zwei bis drei Millionen bar Reteiligten bekannt bleiben. Ein solches Stiefkind ist die neuhebräische Tageszeitungen, Wochenschriften, wissenschaftliche und literarische Rücher lesen, in welchen von allem anderen eher als von semitischer Philologie und jüdischer Theologie gehandelt wird. Es gibt eben Stiefkinder der Oeffentlichkeit. Es gibt, so beschämend das Zugeständnis auch sein mag, geschichtliche und literarische Entwicklungen, die lange, sehr lange Zeit nur den unmittelbar Reteiligten bekannt Bleiben. Ein solches Stiefkind ist die neuhebräische, und in noch stärkerem Grade die jüdische Sprache und Literatur. Dort, beim Hebräischen, kann sich die liebe Oeffentlichkeit für ihre stiefmütterlichen Neigungen wenigstens darauf berufen, dass sich das Leben der Sprache in Druck- und Schriftlettern abwickelt, dass mit verschwindend geringen Ausnahmen nirgends neuhebräisch gesprochen wird. Gegenüber dem Jüdischen fällt auch diese Entschuldigung weg. Ist es doch Mutter- und einzige Umgangssprache von sieben bis acht Millionen Menschen. So ist also das „Jüdeln", das „Mauscheln''', das „Judendeutsch" gemeint?