Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 1 (1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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21 Teiche am Schlittschuhlaufen vergnügt und dann den Rückweg nach Hause über einen Graben angetreten. An den Ufern und im Graben befinden sich zahlreiche zugestutzte Weidenstöcke; aller Wahrscheinlichkeit nach stürzte der Knabe, verletzte sich an einem spitzen Weidenstumpfe, blieb ermattet liegen und verblutete. In der Nacht vom 25. Dezember hob sich das Wasser und füllte den Graben bis zu den Rändern, so dass alles Suchen nach der im Wasser liegenden Leiche vergeblich blieb. Erst als das Wasser nach vier Tagen sank, wurde die Leiche gefunden. Die Untersuchung wird übrigens weitergeführt. Korrespondenzen. Bisenz, den 26. Dezember. Wie alljährlich, fand auch heuer am 25. Dezember unter dem Vorsitze ihres hochverdienten Präsidenten Herrn Hermann Fr an kl ein Brudermahl der „Chewra Kadischa" in den Räumen der hiesigen Brauhaus-Restauration statt. An demselben nahmen nicht nur die ortsansässigen Mitglieder der Kultusgemeinde, sondern auch zahlreiche Angehörige derselben aus der Umgebung, ferner Gäste aus Gaya, Welka etc. teil. Einer Einladung des Vereinsvorstandes entsprechend, war auch heuer der Sekretär der „Oesterreichisch-lsraelitischen Union", Herr Siegfried Fleischer, als Gast erschienen, welcher über Wunsch des Vorsitzenden den ersten Trinkspruch auf Se. Majestät den Kaiser ausbrachte. Der greise Präsident des Kultusvorstanües, Herr Königstein, eröffnete sodann den Reigen der Toaste mit einem anregenden Rückblicke auf die Geschichte und Entwicklung der „Chewra Kadischa", auf deren Weiterblühen und Gedeihen er sein Glas leerte. In einem ausgezeichneten, gedankenreichen Vortrage besprach unser verehrter Rabbiner, Se. Ehrwürden Dr. Hoff, die Aufgaben, welche die „Chewra Kadischa" nicht nur gegen die Toten, sondern heute noch in erhöhtem Masse für die Lebenden zu erfüllen habe. Herr Gustav Stössler aus Poleschowitz übte in formvollendeter Rede eine sachliche, aber durchaus wohlwollende Kritik an den Zuständen der israelitischen Kultusgemeinde Bisenz und trat für die Aufhebung des gegenwärtigen Wahlkörpersystems und die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes ein. Herr Sekretär Fleischer erstattete einen Rechenschaftsbericht über die Rechtsschutztätigkeit der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" und verwies insbesondere auf die glückliche Durchführung zweier Angelegenheiten, die in unmittelbarer Nähe von Bisenz spielten : nämlich die Ritualmordbeschuldigung von Hluk, deren Urheberin vom königlichen Gerichte zu Neutra zu achttägigem, mit Fasten verschärftem Arrest verurteilt wurde, und die Exzesse in Dambofitz, die zur Anklage nicht nur gegen Christen, sondern auch gegen Juden geführt hatten und durch das Bemühen der Herren Dr. S i e b e n s c h e i n in Gaya und Dr. Fi all a in Brünn einer befriedigenden Lösung entgegengeführt wurden. Sekretär Fleischer betonte die dringende Notwendigkeit, dass nicht nur die Judenschaft als solche sich in einem gemeinsamen Brennpunkte zu energischem Schutze ihrer staatsbürgerlichen Rechte vereinige, sondern dass auch jede Kultusgemeinde für sich das Beispiel des Friedens und der Eintracht biete, um mit geschlossener Kraft den Ansturm der Gegner abwehren zu können. Den Ausführungen sämtlicher Redner folgte stürmischer Beifall. Das treffliche Mahl wurde gewürzt durch die ausgezeichneten Gesangsvorträge des Herrn Oberkantors Moses Weiss, eines Meisters im polnisch-jüdischen Gesänge, dem Herr Kantor Ignaz Schulz mit seinem sympathischen Bariton treff-