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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-01-01 · 1 (1.1903) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
1 (1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 15 (sequence 18)
Language
German
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15 nächster Zeit sowohl für Wien als auch die Provinz wieder aufgenommen werden wird. Nach Bekanntgabe einiger wichtiger Vorkommnisse aus dem Rechtsschutzbureau erteilte der Vorsitzende Herrn Dr. Oskar Hein das Wort zum Referat über einige Aenderungen der Statuten. Dieselben betreffen insbesondere den § 2, in welchem die Mittel zur Erreichung des Vereinszweckes scharfer präzisiert wurden; ferner den § 10, in welchem festgesetzt wurde, dass der Vereinsvorstand auf die Dauer von drei Jahren gewählt werde, dass alljährlich ein Drittel des Vorstandes auszuscheiden habe und der Präsident aus der Mitte des Vereinsvorstandes gewählt werde. Die Aenderung der Statuten wurde auf Antrag des Herrn Markus en bloc genehmigt. Es folgte sodann eine freie Diskussion über aktuelle jüdische Angelegenheiten. Herr Edmund Singer gab dem Wunsche nach Anschluss an eine erst zu bildende freisinnige Partei, die sich nicht mit nationalen Velleitäten beschwere, Ausdruck. Herr Jacques Weiss sprach für einen festen Zusammenschluss aller Juden; solange dieser nicht erfolgt sei, können die Zwecke der „Union" nicht mit voller Entschiedenheit verfolgt werden. Herr Deiches bespricht die Predigerfrage und richtet an die Kultusvorsteher die Frage, ob es richtig sei, dass die gegenwärtigen Probepredigten nur eine Komödie wären und der Vorstand bereits über die Anstellung der Rabbiner entschieden habe. Herr Dr. Kadisch hält es für notwendig, auf eine Vereinigung der wahrhaft freisinnigen Elemente aller Parteien hinzuwirken und in nationalen Dingen eine vollkommen neutrale Haltung einzunehmen. Herr Baum kritisiert die gegenwärtigen Verhältnisse der Wiener Kultusgemeinde, deren Organisationskraft mit dem quantitaven Zuwachs sich nicht gesteigert habe. Redner bespricht eingehend die Referatverteilung im Vorstande, den geringen Wirkungskreis der Bezirkskonimissionen und spricht sich abfällig über den Gottesdienst im Seitenstetten-Tempel aus. Ferner regt Herr Baum eine intensivere Heranziehung der Frauen für den WTohltätigkeitsdienst und insbesondere die rasche Aktivierung des „Elisabeth-Vereines" an. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n tritt den Ausführungen des Vorredners entgegen und erklärt, dass Herr Baum mit seiner Kritik dag Forum verfehlt habe, da hier keine Versammlung von Kultuswählern stattfinde. Es sei unrichtig, dass die Kultusvorsteher sich nur um ihre jeweiligen Ressorts kümmern. Die Behauptung, dass in der Gemeinde eine Trinkgelderwirtschaft herrsche, sei eine ungerechtfertigte Anklage und Redner bittet dringend, jeden einzelnen Fall, in welchem ein Funktionär der Gemeinde Trinkgeld beanspruche, sofort zur Kenntnis des Vorstandes zu bringen, es werde dann unverzüglich Wandel geschaffen werden. Das Sekretariat sei unantastbar, es gäbe dort keine Trinkgelder und keine Protektion. Wenn einmal ein Fall vorkomme, dass Trinkgeld beansprucht werde, so könne das nur von einem untergeordneten Organe ausgehen und gegen dieses wird die strengste Strafe in Anwendung gebracht, nur müsse die betreffende Klage auch wirklich fundiert sein. Herr Dr. Elias wendet sich gegen den Modus der Bemessung der Kultussteuer. Die Kultusgemeinde habe zu noble Passionen; sie habe keine Danaergeschenke anzunehmen. Redner kündigt eine Agitation nach der Richtung an, dass jüdische Steuerträger nur zur Kultussteuer verpflichtet werden können; wohltätig hat jeder auf seine eigene Rechnung zu sein. Herr Schick verteidigt die Schätzungs-Kommissionen gegen die erhobenen Vorwürfe und schlägt vor, für die jüdischen Handlungsbeflissenen einen Cyklus von Predigten zu veranstalten.

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