Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 1 (1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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14 nicht so blind und taub sind, wie er zu glauben schien. An einen praktischen Einfluss dieser Wahlenthaltung wollten die politischen Weisen unter den Juden nicht glauben. Aber siehe da, im zweiten Wahlkörper wären mehrere Kandidaten mit 4—5 (jüdischen) Stimmen zu halten gewesen. Ein neuer Beweis, wie töricht und verkehrt das ewige Jammern über unsere Ohnmacht als Minorität und wie erfolgreich oft in selbst unwahrscheinlichen Fällen einiges Vorgehen ist! — Vielleicht veranlasst diese für unsere Liberalen recht aufregende Wahl Herrn Dr. Funke und seine Partei zum Nachdenken über die „Konsequenzen", welche „judenreine" Ortsgruppen, eine „judenreine" Gemeindevertretung, eine öffentliche Liierung mit recht zweifelhaften Elementen der radikalen Partei, überhaupt die Verleugnung des Freisinns in der Praxis auch in reindeutschen Städten „für das Deutschtum und den Liberalismus" haben können! Es wäre wahrlich hoch an der Zeit, dass diese Konsequenzen überall offen zutage träten. Es wäre hoch an der Zeit, dass unsere Glaubensgenossen sich allenthalben weigerten, die unkluge Rolle von Schleppträgern der liberalen Partei weiterzuspielen, nachdem diese Partei sie überall, auf allen Linien preisgegeben hat. Das Wort des Herrn Novotny und der Brief des Herrn Dr. W e i 11 o f werden in Hinkunft als Brandmal für diejenigen gelten, welche ihr Geld und ihre Kraft einem Vereine aufdrängen, welcher beides nur dort annimmt, wo er es annehmen muss, um unangenehme Konsequenzen von sich abzuwenden. Allgemein muss in unseren Reihen der Ruf ertönen: Heraus mit dem Freisinn oder —■ fort mit dem Liberalismus! Leitmeritz, den 11. Dezember 1902. Dr. Schornstein. Mitteilungen der „Oesterr.-Israelit. Union". Ausserordentliche Generalversammlung. Am 5. d. M. fand im Restaurant Guth eine zahlreich besuchte ausserordentliche Generalversammlung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Maximilian Paul-S chiff statt, welcher unter anderen die Herren Kultusvorsteher Dr. Gustav Kohn, Markus Spitzer, Professor Salomon Ehr mann und Eltbogen beiwohnten. Zu Beginn der Versammlung hielt der Vorsitzende dem verstorbenen Präsidenten des „Vereines zur Abwehr des Antisemitiemus", Herrn Gundaccar Freiherrn v. Suttner einen tiefempfundenen Nachruf. Die Versammlung erhob sich zum Zeichen der Teilnahme von den Sitzen und ermächtigte das Präsidium, diese Beileidskundgebung zur Kenntnis der Witwe zu bringen. Der Präsident machte nunmehr die Mitteilung, dass der Mitgliederstand seit 1. Jänner 1902 sich um mehr als tausend erhöht habe und dass die Agitationsarbeit, die erst vor wenigen Wochen in Ottakring-Hernals einen sehr erfreulichen Erfolg gezeitigt habe, in