Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 1 (1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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* des neuen Vereinshauses sofort beginnen. Die Verjüngung des an die Seitenstettengasse angrenzenden Stadtteiles schafft gerade jetzt passende Bauplätze, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Den verschiedensten dringenden Bedürfnissen würde somit das Vereinshaus gerecht werden: 1. wäre dem religiösen Bedürfnisse provisorisch Rechnung gelragen, ohne der Frage des Tempelbaues irgendwie zu präjudizieren; i\ würde das jüdische Vereiusleben kräftig belebt und 3. die höchst dringende Zentralisierung der Administration auf humanitärem Gebiete endlich geschaffen. Wir wiederholen: Das Haus soll kein Werk der Wohltätigkeit sein, nicht im Wege von freiwilligen Spenden und Sammlungen soll der Bau zustande gebracht werden. Wir sind überzeugt, dass sich noch Männer in unserer Gemeinde finden werden, die sich zum Bau des Hauses bereit erklären, das sicherlich nicht die schlechteste Kapitalsanlage wäre. Möge das Haus dem Besitzer eine noch so gute Verzinsung abwerfen, niemand würde es ihm verargen, denn er könnte mit vollem Rechte darauf hinweisen, dass der Bau dieses Hauses ein „Wohltun" bedeutete, das auf „Zinsenerträgnis" Anspruch machen darf. Hier ist der jetzigen Repräsentanz Gelegenheit gegeben, sich den ewigen Dank der GemeindemitgliecU r zu sichern: ohne jegliche" Belastung der Gemeinde könnte sie. nur durch ihren moralischen Einfluss, sich ein bleibendes Denkmal setzen. Die „Oesterreichisch-Israelitische Union" würde mit Freude alles, was in ihren Kräften liegt, tun, um dieses schöne Werk zu fördern, sie wäre sofort bereit, ihr Bureau im Vereinshause unterzubringen, daselbst die Vereinsvorträge und Versammlungen abzuhalten, statt fremde Säle mieten zu müssen. Sache der Wiener Kultusgemeinde aber ist es, hier die Initiative zu ergreifen und mit allen Kräften sich dafür einzusetzen. Der Erfolg kann nicht ausbleiben. Prinz Liechtenstein und Graf Andrässy. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" in Berlin veröffentlicht folgende Mitteilung: „In dem jüngst gegen die ,.Staatsbürger-Zeitung" durchgeführten Pressprozesse wurde eine früher schon im österreichischen Parlamente von antisemitischer Seite kolportierte Aeusserung wiederholt, die Graf Julius Andrässy bald nach dem Tisza-Eszlarer Prozesse gegenüber dem Prinzen Alois Liechtenstein gemacht haben soll. Diese Aeusserung lautete angeblich: „Wir durften die angeklagten Juden nicht verurteilen, weil sonst am anderen Tage hunderttausend Juden erschlagen worden wären."