Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 1 (1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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7 einen grösseren Besuch des Gottesdienstes am Samstag anstreben will, während alt und jung an diesem religiösen Ruhetage ihren bürgerlichen Pflichten und ihrem Berufe nachkommen müssen und wollen. Da nun ein Bedürfnis nach einem neuen Tempel in der Inneren Stadt tatsächlich nur an den hohen Festtagen — Neujahr, Versöhnungsfest, Ostern etc. — vorhanden ist, so würde ein mit einer Galerie und Amphitheater versehener grösserer Saal, mit welchem die Nebensäle durch Entfernung der transportablen Zwischenwände noch vereinigt werden könnten, dem temporären religiösen Bedürfnisse in würdiger und schöner Form provisorisch gerecht werden. Man hätte es dann nicht nötig, auf höchst unpassende Ersatzmittel zurückzugreifen und den weihevollen jüdischen Gottesdienst im Musikvereins- oder anderen gemieteten Sälen abzuhalten, während in einem Nebensaale gerade eine antisemitische Radauversammlung stattfindet. Damit, glauben wir, wäre die Tempelfrage, ohne der Zukunft irgendwie zu präjudizieren, momentan gelöst. Wir können uns gar nicht vorstellen, dass dieser einzige Ausweg nicht auf Zustimmung im Schosse der Kultusgemeinde stossen sollte. Last not least hätte aber auch die Wiener Kultusgemeinde, deren Agenden täglich anwachsen, ein weiteres Interesse an dem Zustandekommen eines Vereinshauses, da sie einen Teil ihrer heute ganz unwürdig untergebrachten Bureaux dorthin verlegen könnte und auch Säle für Besprechungen, Enqueten, Sitzungen etc. an passender Stätte zur Verfügung hätte. Die Verhältnisse in dem in hässlichster Umgebung befindlichen Gemeindehause sind nicht nur unleidlich, sondern jedem Dekorum widersprechend. Welchen Eindruck muss es auf einen Fremden machen, wenn er den schmutzigen Eingang passieren und die enge dunkle Stiege hinaufsteigen muss, um zur Repräsentanz einer 150.000 Köpfe zählenden Gemeinde zu gelangen? In welchen Räumlichkeiten müssen Sekretariat, Matrikelamt, Rabbinat, Präsidium und Vertreter amtieren? Und der einzige sogenannte „Sitzungssaal", der für jede halbwegs grössere Enquete schon zu klein ist, genügt nur deshalb für die „öffentlichen" Sitzungen, weil sich ein Publikum noch niemals eingefunden hat. Auch für diese Sitzungen würde der eventuell amphitheatralisch formierungsfähige Saal des Vereinshauses als würdiger Ersatz sich eignen. Und nun zur allerdings wichtigsten Frage, der Geldfrage. Auch diese, glauben wir, ist bereits gelöst, wenn die Kultusgemeinde sich nur moralisch mit ihrem gewichtigen Einflüsse einsetzen und den Erbauer unter den bemittelten Gemeindemitgliedern suchen und finden wollte. Und wenn es ihr gelänge, auch nur einen Teil jener Beträge als Baukredit zu erhalten, die einige opferwillige Mitglieder s. z. ä fonds perdu zum Tempelbau beitragen wollten, so könnte die Kultusgemeinde, bis sich ein Käufer findet, den Baugrund erwerben und selbst mit dem Bau