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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1903-01-01 · 1 (1.1903) · p. Seite 6

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
15 (1903)
Issue
1 (1.1903)
Date
1903-01-01
Page
Seite 6 (sequence 9)
Language
German
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6 finden, umsomehr, als bedauerlicherweise die modernen temperamentvollen Szenen auch in jüdischen Versammlungen sich nicht immer vermeiden lassen. Ein grösserer und zwei oder drei kleinere, im Parterre des Vereinshauses gelegene Säle dürften während der Wintersaison ohne Zweifel 2—3mal wöchentlich Verwendung finden. Diese Säle müssten so konstruiert sein, dass sie durch transportable Zwischenwände nach Bedarf verkleinert werden können, damit sie auch für kleinere Vereins-, Generalversammlungen etc. Verwendung finden. Schliesslich wäre im Parterre und Souterrain noch genügend Platz für ein Restaurant vorhanden. Und eine weitere, höchst aktuelle Frage könnte durch das Vereinshaus voraussichtlich auf längere Zeit in würdiger provisorischer Form und ohne der zukünftigen Gestaltung irgendwie zu präjudizieren, ihre Lösung finden — die leidige Tempelbaufrage. Gerade jetzt soll, wie wir hören, das in Permanenz befindliche Tempelbaukomitee sich neuerdings mit der Errichtung eines grossen modernen Gotteshauses in der inneren Stadt beschäftigen. Aber auch diesmal dürften diese gewiss löblichen Bestrebungen, ebenso wie im Jahre 1896 und früher, zweifellos im Sande verlaufen. Und so bedauerlich es klingen mag, nicht ohne Grund. Wie schon oben erwähnt und durch die früheren fruchtlosen Versuche bestätigt, wäre es gerade heute, angesichts der inzwischen erheblich erhöhten Kultussteuer keineswegs gerechtfertigt, nennenswerte Zeichnungen seitens der geldkräftigen Schichten für den Tempelbau zu erhoffen, während jede anderweitige Geldbeschaffung und Belastung der Gemeinde in Form eines Anlehens nicht in Betracht gezogen werden kann. Aber auch aus sachlichen Gründen wäre eine Opposition gegen den neuen Tempelbau nicht ohne Berechtigung. Wird doch das Bedürfnis nach einem neuen Tempel in praxi leider nicht erwiesen. Denn wenn ein Gotteshaus nur während 6 oder 7 hoher Festtage jährlich besucht ist — für Trauungen genügt es noch vollkommen — während es jeden Sabbat halb leer ist. dann kann man von einem Bedarf nach einem zweiten Tempel nicht sprechen. Und würde selbst mit Engelszungen dort gepredigt und in deutscher Sprache vorgebetet werden, so wird es nicht gelingen, die Andächtigen herbeizuziehen, wie wir es trotz des modernen deutschsprachigen Gottesdienstes im grossen Tempel zu Berlin konstatieren können. Es ist hier nicht der Ort, näher darauf einzugehen, wo die Gründe dieses spärlichen Besuches zu suchen sind. Das Ueberwiegen des männlichen Tempelbesuches gegenüber dem weiblichen, in geradem Gegensatz zu den christlichen Konfessionen, gibt genug zu denken, auch der mangelnde religiöse Sinn in der Familie dürfte in der Apathie des weiblichen Teils — besonders in den gebildeten Bürgerschichten — seine Begründung finden. Allerdings muss man auch immer wieder betonen, dass es täglich widerspruchsvoller und unhaltbarer wird, wenn man noch immer

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