Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 15 (1903)
- Issue
- 1 (1.1903)
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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auf privater Wohltätigkeit basierenden Vereine sollen keineswegs reduziert werden, sie hängen — wie überall — mit hier nicht näher zu erörternden persönlichen Momenten und den Verhältnissen der einzelnen Bezirke zusammen; allseits dürfte es aber freudig begrüsst werden, wenn die Regie der Vereine erheblich entlastet und eine bessere Administration durch Zentralisation ermöglicht würde. Dass dies einzig und allein nur dann der Fall sein kann, wenn alle Vereinskanzleien möglichst an einer Stelle untergebracht werden, ist klar. Wir stellen uns die Verwirklichung dieser Centralisation so vor, dass jeder Verein je nach Bedürfnis ein oder mehrere Zimmer in diesem Hause mieten würde, dortselbst seine Bücher, Skripturen, Korrespondenz etc. in eigener Verwahrung hätte und auch die Vorstandssitzungen, eventuell Beteilungen in diesen gemieteten Räumen veranstalten könnte. Gleichzeitig wäre in diesem Hause ein durch Zuschuss der Kultusgemeinde und durch perzentuelle Regiebeiträge seitens der einzelnen Vereine zu dotierendes Zentralbureau zu errichten, das alle Gelder im Depot zu verwahren, eine genaue Armen- und Unterstützungsstatistik, sowie Armenevidenz zu führen hätte, so dass die wiederholt vorgekommenen gleichzeitigen Beteilungen ein und derselben Personen vermieden werden. Dieses Bureau hätte ausserdem die buchhalterische Führung und Administration sämtlicher Vereine, auf die einzelnen Beamten des Bureaus verteilt, zu besorgen. Wir sind überzeugt, dass ein gut organisierender Bureauchef mit zwei oder drei tüchtigen Buchhaltern und dem erforderlichen kaufmännisch geschulten Per:-onal diu Gebarung sämtlicher jüdischer Wohlthätigkeitsvereine tadellos und übersichtlich führen könnte, während dies heute oft höchst mangelhaft geschieht und die Vereine jeglichen gegenseitigen Kontaktes entbehren. Schon in dieser Hinsicht würde ein Vereinshaus sich glänzend bewähren, eine zentralisierte Evidenzführung der Wohltätigkeit muss ja früher oder später doch zustande kommen. Durch diese Vereinszentralisation allein wäre, wenn nur ein Drittel aller bestehenden Vereine sich dazu entschliessen würde, eine entsprechende Verzinsung der einzelnen Stockwerke bereits garantiert. Aber noch anderen, nicht minder dringenden Bedürfnissen würde dieses Vereinshaus gerecht werden. Wird doch die Notwendigkeit eines oder zweier grosser Säle für jüdische Vortragsabende, Enqueten, Besprechungen täglich grösser! An und für sich ist ein grosser Mangel an geeigneten Sälen im I. Bezirke — der als einzig zentral gelegener in Betracht gezogen werden muss — zu konstatieren, deren Miete während der Wintersaison sehr teuer zu stehen kommt. Weiters sollte darauf Rücksicht genommen werden, dass es unter den heutigen Verhältnissen nicht opportun erscheint, jüdische Versammlungen gerade dort tagen zu lassen, wo oft gleichzeitig in einem Nebensaale antisemitische Versammlungen statt-